Don Winslow

Schnitt vs. Entwicklung – The Gentleman‘s Hour: perfekte Modernisierung des klassischen Noir mit allen Zutaten, finde auch das fast ungebrochene Happy End ziemlich überzeugend. Erzähltechnik – kurzes Kapitel – Schnitt – nächstes Kapitel – Schnitt – nächstes Kapitel – funktioniert perfekt, könnte direkt in Drehbuch umgesetzt werden, aber vielleicht ein bisschen zu perfekt: manchmal würde man sich ein bisschen mehr Arbeit, ein bisschen mehr Mühe zwischen den Kapiteln wünschen. Weil ziemlich schnell klar ist, dass diese Art von Schnitt immer funktionieren wird, gar nicht schief gehen kann.

Jede Methode, die Fehler von vornherein ausschließt, ist uninteressant.

Keine gute Idee, jedes zweite Kapitel mit einer Pointe enden zu lassen. Auch das offensichtlich eine perfekte Methode, das Ende des Kapitels – also einen Schnitt – zu motivieren, aber auf die Dauer viel zu durchschaubar und daher als stilistisches Mittel zu schnell verbraucht.

Trotzdem: was wäre eine formale Pointe in der Musik?

Im Prinzip interessant als Rhythmus, wie Kapitel beim gleichen Gegenstand bleiben (selten) oder zu einem anderen gehen (fast immer). Beim gleichen Gegenstand bleiben als Vergrößerung, Intensivierung. Nicht unbedingt bei größter Spannung. Da eher Cliffhanger, also Schnitt, Szenenwechsel, als am häufigsten verwendete Strategie. Ziemlich offensichtliche musikalische Parallelen.

Zynische Nebenbemerkungen aus dem Off, die abgeklärt wirken sollen, als eher nervender Bestandteil der Noir Tradition. Auch wenn man gerne die implizierte Möglichkeit, ein intelligenter Loser zu sein, mitnimmt. Heldenbild, auf das sich alle einigen können. Die Winner UND die Loser. Wahrscheinlich, weil sich irgendwie alle als Loser fühlen.

Natty Dub: geniale Idee, die Regelmäßigkeit der Akkordschläge noch zu betonen und dann im Hall brechen zu lassen

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