Monthly Archives: April 2011

Carlos

Lustig, wie lächerlich es ist, ein Leben nachzufilmen. Der Anspruch ist natürlich, durch eine echte Geschichte Realität auf die Leinwand zu bringen, aber in Wirklichkeit wird der Abstand zur Realität nur vergrößert. Man vergleicht ständig die Figur mit der Realität und fragt sich, ob es wirklich so war. Ob Look-alike oder Not-look-alike, allein die Frage nach der Ähnlichkeit zerstört die filmische Realität. Man fragt sich auch, was die Funktion eines Biopic sein soll: Geschichte zu vermitteln, Vergangenheit gegenwärtig zu machen? Lustigerweise funktioniert das viel besser, wenn man nachliest, was man wissen kann, als wenn man gezwungen ist, sich ständig zu fragen, was Geschichte und was Fiktion ist. Dazu der ziemlich eklige Aspekt des Kostümfilms, das Zurschaustellen der Virtuosität im Nachbilden einer vergangenen Epoche, und da ist ziemlich egal, ob es sich um die 1970er Jahre oder um das 19. Jahrhundert handelt, es bleibt Kindergeburtstag.

Kaum wird‘s wärmer, liegen die Toten auf der Straße.

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Oskar

Nate Dogg, I Got Love: Jump Cut als Dia Show, Ausschnitt und Bewegung, nicht doof (und ziemlich druckvoll produziert).

Absolute Stärke von Snoop: Hundertprozentige Schamfreiheit, es geht schon lange nicht mehr um die richtige oder falsche Entscheidung, sondern um die perfekte Vortragsweise. Bitch Please.

Strokes: Magisch, geil falsch-richtig, lange, harte Arbeit um es richtig falsch, also wie immer, aber besser hinzubekommen. Zu wissen, dass man es kann, aber zu verstehen, dass man immer wieder von vorne anfangen muss, und dass es jedes Mal schwieriger wird. Leider ist der Endmix ziemlich misslungen.

Mögliche Methode für Jump Cuts in der Musik: Einfach Ausschnitte aus Kontinuität herausschneiden und leer lassen, um den Sprung zu markieren – sonst wird er als Kontinuität stiftendes Intervall missverstanden.

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What we do is secret

Frage, warum die Linke zu vornehm ist, eklatante Fehler der Rechten auszunutzen. Ist die Linke nicht überzeugt vom ihrer Politik? Es sieht ja fast so aus, als ob die Rechte viel mehr an die Richtigkeit ihrer Politik glaubt als die Linke und deshalb Lügen, absurde Kehrtwendungen und mangelnde Fairness gerne in Kauf nimmt, um ihre Politik durchzusetzen. Vielleicht ist es aber im Gegenteil so, dass die Rechte von vornherein weiß, dass ihre Politik falsch ist und ausschließlich ihr selbst nützt, und aus genau diesem Grund nur mit Unwahrheiten und Tricks durchzusetzen ist. Daher der radikale Verzicht auf jeden Anstand und jede politische Konsequenz, wenn sie nicht unmittelbar nützlich sind. Genau dies könnte dann aber wieder der Grund für die Wahlgewinne der Rechten sein: Der bedingungslose Wille zum Erfolg erweckt den Eindruck, dass man von der eigenen Sache überzeugt ist.

Wahrscheinlich könnte man von Antworten auf Sachfragen nie so überzeugt sein, wie es die Rechte zu sein scheint, in Wirklichkeit glaubt sie ja nur an den eigenen Erfolg. Dies wiederum das Problem der Linken, die vor dieser Folie hoffnungslos zögerlich und in Sachfragen verstrickt wirken muss. Das Geheimnis der Rechten: Es gibt gar keine Sachfragen, nur Machtfragen. Merkel als perfektes Beispiel: Falls es jemals sachliche Anliegen gegeben haben sollte, sind sie längst durch Machtkalkül abgelöst worden.

Leute, die man gut findet, Leute, die man hervorragend findet, und Leute, die man wirklich liebt. Leute, die man respektiert, aber eigentlich nicht gut findet. Mit allen Schattierungen. Liebe hat wahrscheinlich schon etwas mit Ähnlichkeit des Projekts, Vergleichbarkeit mit der eigenen Arbeit zu tun, hervorragend mit Größe, gut mit Qualität und Respekt mit Handwerk.

Unsicherheit: Eigentlich ja toll, wenn man etwas nicht auf Anhieb beurteilen kann. Merkwürdige Denkbewegungen, wenn wir unsere Meinung im Nachhinein ändern müssen.

Alles sehr zerfahren und unkonzentriert. Nervös.

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Ritterlichkeit

Lustig, wie man sich für scheinbare oder tatsächliche kausale Zusammenhänge interessiert und diese stundenlang beobachten kann. Im Traum eine maschinenartige Skulptur von David Rothman in der Nationalgalerie. Allerdings nur, wenn der Zusammenhang nicht sofort zu durchschauen ist. Eine einfache mechanische Vorrichtung reicht da nicht, die genaue Funktion muss durch Komplexität oder Unzugänglichkeit verschleiert sein.

vorausgesetzt

Komplexität
Einfachheit
Tiefsinn
Verständlichkeit

Wohlbefinden

Interessantes Gespräch mit Carsten über Schönheit und Wohlklang: Ich beziehe beides entweder auf vereinzeltes, tendenziell statisches Material (für mich der gewöhnliche, aber falsche Begriff von Schönheit), oder auf eine vollständige, in sich abgeschlossene Arbeit (für mich die einzige Möglichkeit, über Schönheit ernsthaft nachzudenken), er scheint etwas dazwischen zu meinen, das eine eigene Dynamik hat (also sich in der Zeit bewegen kann), aber nicht dem Zwang des Abgeschlossen, Vollständigen unterliegt, sondern ausschließlich dem Zweck des Gefallens. Für mich schwer zu denken, schwer vorstellbar.

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Helle Mitte

Aufräumen als Lebensaufgabe (ganz einfach Zimmer aufräumen und so).

Mit zusammengebissenen Zähnen singen.

La condition humaine (Kobayashi): Sehr offensichtliches Spiel mit Spannung-Entspannung, aber trotzdem überzeugend, weil im Detail stimmig, und weil man das Gefühl hat, dass auch die Teile, die die Storyline nicht voranbringen, einen wesentlichen Beitrag zur Aussage des Films, zur vollständigen Beschreibung des Gegenstands darstellen. Insofern eine extrem konventionelle Dramaturgie durch Ernsthaftigkeit überzeugend erfüllt.

Es gelingt ihm deutlich zu machen, dass die leisen Passagen nicht einfach nur ein dramaturgischer Trick sind, sondern dass sie eine echte Funktion im Gesamtwerk haben, dass sie dazugehören, dass etwas fehlen würde, wenn sie nicht da wären. Das Bild wäre unvollständig, wir würden Informationen vermissen, und letztlich wäre die Storyline auch zu geradlinig, um überzeugend zu sein.

Ab einem bestimmten Punkt geht das natürlich weit über formale Überlegungen hinaus. Bestimmte Entscheidungen, insbesondere einen neun Stunden Film ohne auch nur den geringsten Hoffnungsschimmer enden zu lassen, erfordern echten, realen Mut.

Dolgopolov: Ganz schön schnell erwachsen geworden, als Tennisspieler. Kaum zu glauben, dass das geht: Gestern unbeherrschtes Küken, heute erfahrener Gewinner. Als ob er in der Zwischenzeit jahrelang gespielt hätte.

Wortwahl: Komisches hin und her, hier dies, hier das, dann umgekehrt, dann wieder das Gegenteil, dann passt es plötzlich. Merkwürdiges herantasten, vorarbeiten, zufallsbestimmt.

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Wicked Games

Bring your love, baby, I could bring my shame,
Bring the drugs, baby, I could bring my pain.

Ich war nach Paris gefahren, um in der neu eröffneten Nationalgalerie eine Ausstellung zu sehen. Nachdem ich die Ausstellung besucht hatte, wollte ich noch in den Nordflügel der Galerie, um einen anderen Teil des Museums und seiner Sammlung kennenzulernen. Ich musste durch ähnliche Gänge wie zum Ausstellungstrakt und kam dann zu einer großen Toilettentür, die man mit Gewalt aufstoßen musste, weil direkt dahinter eine Wärterin oder ein langhaariger Wärter kauerte, der durch den Stoß gegen die Wand geschoben und dort eingeklemmt wurde. Ich schaute kurz hinter die Tür, lief durch einen Vorraum in den eigentlichen Toilettenraum und hatte sofort das Gefühl, dass ich falsch bin. Ich fragte, ob das hier die Damentoilette sei, bekam aber keine Antwort und verließ den Toilettentrakt wieder. Auf der Suche nach dem Nordflügel musste ich kurze Zeit später durch die gleiche Tür, diesmal landete ich in einer Art Parkhaus mit tiefen Decken und mangelhafter Beleuchtung. Direkt hinter dem Eingang lag eine Jeans, vollgepisst und in Eile ausgezogen, in einem Nebenraum rechts wälzten sich zwei Menschen in Schlafsäcken übereinander, ich dachte an Sex, wunderte mich aber, dass sie in zwei getrennten Schlafsäcken steckten. Ich ging geradeaus weiter und kam in einen breit gestreckten Raum, an dessen hinterer Wand zahllose Menschen in Schlafsäcken lagen und sich manisch kratzten. Alle klebrig verschmutzt, genau wie der Raum selbst. Ich drehte mich um und wollte so schnell wie möglich den Raum verlassen, dabei stolperte ich über die beiden Gestalten im Vorraum, die, wie ich jetzt sah, keineswegs Sex miteinander hatten, sondern beim Kratzen übereinander hergefallen waren.

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Tragik des Verschwindens

Gallimard: Alles muss gratis sein.

All das kann ich haben! Interessante Problemverschiebung: In dem Moment, in dem tatsächlich alles gratis ist, fällt die Begrenzung des Budgets weg, d.h. man kann viel mehr einsammeln, als man verdauen kann. Extrem schwer für den einzelnen Gegenstand, im Gedächtnis zu bleiben. Das meiste verschwindet auf der Festplatte. Zeit als letzte, nicht hintergehbare Begrenzung.

Könnte allerdings sein, dass man da handelt wie die Kriegsgeneration in Bezug auf Essen: Alles, was da ist, stopft man gierig in sich hinein. Möglich, dass eine Generation, die mit Download/Streaming aufwächst, da eine völlig andere Einstellung hat. Das würde heißen, dass das Sammeln komplett wegfällt. Außer Freunde.

Stimmungen: Großwetterlage, Kleinwetterlage, eine Woche Verzweiflung, eine Woche Optimismus, und über den Tag verteilt ups and downs, vieles natürlich an Realität gekoppelt (falsch gegessen, falsch angezogen, schlecht gearbeitet oder jeweils das Gegenteil), manches vielleicht aber auch nur zufällig, eben wie Wetter, in Bewegung. Oder hat alles einen Grund?

Urge Overkill: Dandyismus als totale Verlassenheit – toll! Mal sehen, wie die Neue ist.

I think I just finished a piece for string quartet.

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Filed under Pop, Stücke, Uncategorized, ZWEI/2240: Song Cycle

Liar!

Geschenkpapier: Zufällige Verteilung eines festgelegten Musters, in der Regel falscher Maßstab und genau deswegen interessant. Nicht die Passgenauigkeit, sondern das Falsche, das sich Sperrende macht Zuordnungen bemerkenswert.

Falsche, nicht passende Maßstäbe übereinanderlegen, Ergebnis zufällig, aber festgelegt, und natürlich einem Gesetz folgend.

Am tollsten sind absurde Gedanken, die ernst gemeint sind.

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Land of Treason

Falsche Transkription – richtiges Ergebnis.

Etwas TATSÄCHLICH nur zum Spaß machen. Kann man logischerweise nicht entscheiden, denn man kann nicht entscheiden, wann man Spaß hat, und wann nicht, und vor allem, ob man es aus Spaß macht oder nicht.

Kann man über seine Motive entscheiden? Oder stehen Motive fest, ergeben sie sich aus der Geschichte eines Lebens? Kann man das Motiv, warum man etwas tut, ändern? Abgesehen von äußeren Einflüssen wie neuen Informationen, neuen Argumenten, etc. Natürlich kann man selbst darüber nachdenken, und dabei seinen Standpunkt verändern – wenn die Handlung dennoch gleich bleibt, könnte sich das Motiv mit dem Standpunkt verändert haben, und wenn es nur wäre, dass man an seiner Entscheidung festhalten will, obwohl man eigentlich nicht mehr dazu steht. Das wäre allerdings kein willentlicher, direkter Einfluss auf das Motiv, sondern eine Veränderung des Zusammenhanges, in dem das Motiv angesiedelt ist, woraus sich dann erst die Veränderung des Motivs ergibt – also eine indirekte, nicht direkt beherrschbare Änderung.

Übrigens tatsächlich ein ECHTES künstlerisches Problem.

Z.B. Hérault de Séchelles: Könnte ein Lieblingsbuch werden, obwohl fast alles, was darin steht, faktisch Unsinn ist (nur so als Beispiel).

obwohl faktisch alles Unsinn ist

Neue Burial klingt leider wie jemand, der wie Burial klingen will. Trotzdem: Begnadeter Erzähler.

B.M.: I love your style. You look so normal.

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hässlich, Hässlichkeit

absolute Bequemlichkeit als künstlerische Tugend

Licht a capella: Jetzt kann es nur noch um Inszenierung gehen.

akkumulieren

etwas vollständig, aber auch im Detail sehen, anhalten, aber auch laufen lassen, auseinander nehmen, aber auch zusammensetzen

horizontaler Schnitt: logischerweise nicht immer die gleichen Kombinationen

aufbohren – in die Struktur eindringen

like you wanna cry: Kulturlandschaften, Konrad Witz

Fesseln

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Intelligence in Action.

Licht a capella A: Straight, nur Tempi und Pausen ändern
Licht a capella B: Varianten, Wiederholungen, Erweiterungen, kompakten Satz aufbrechen

Twombly: geronnene Farbe als Hinweis auf die Platzierung des Bildes.

Ricky Mccormick: Unverständliche Buchstabenfolge lässt Einzeichnungen wie abstrakte Linien erscheinen, gerade dann, wenn man die Zeichen selbst eigentlich kennt. Man weiß, dass wahrscheinlich irgendetwas gemeint ist, aber man versteht es nicht, auch nicht als Eindruck, es sieht nicht so aus, als ob es so wäre, es sieht aus, wie eine abstrakte Zeichnung. Gedankenbewegung.

als ob jemand anderes singen würde (TVOTR)

Form: Zeilen/Abschnitte

alles als Skizze betrachten

20 kinds of lies (damages)

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