Monthly Archives: August 2011

Haydn

Over, vorbei, vergessen: Interessant, wie etwas völlig verschwindet, wenn wir es vergessen. Möglicherweise denken wir noch eine Weile, da war doch was, was wollte ich noch tun, hätte ich es doch bloß gleich aufgeschrieben, und irgendwann ist es dann ganz weg. Oder es war von Anfang an sofort weg. Wenn es uns wieder einfällt, kann es sein, dass wir uns erinnern, dass wir den Gedanken schon mal hatten, oder eben auch nicht. Dann ist eine Idee neu, obwohl wir sie schon einmal hatten. Frage wäre auch, ob wir uns an die Idee erinnern, oder ob wir in einer ähnlichen Situation die gleiche Idee haben. Das spurlose Verschwinden und das mögliche Wiederkehren, vielleicht aber eben auch nicht. Logischerweise wissen wir nicht, können wir gar nicht wissen, was wir schon alles vergessen haben. Auslöschung, einfach weg. Aufschreiben als Versuch, dagegen anzuarbeiten.

In der Erinnerung umformulieren: Ist das dann noch die gleiche Idee, oder eine andere/neue? Ohne Frage ändert sich die Idee mit ihrer Ausformulierung. Im Extremfall verschwindet die Grundidee in der Ausformulierung, hinterlässt höchstens Spuren, Indizien, wie sie einmal gemeint war.

Ein Archivsystem oder ein Reaktionssystem. In der gleichen/ähnlichen Situation reagiert er/sie immer gleich/ähnlich. Oder hatten wir das schon?

Im Dunkeln stochern. Was uns auffällt, was uns nicht auffällt. Woran wir uns erinnern, woran wir uns nicht erinnern. Bruchstücke aus einem Kontinuum.

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SBTRKT

Never ask for what should be offered.

rural america: maybe too much of a story

IN CASE YOU CARE

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Winkel der Seele (pluriel)

Just when it was going so well …

Eine riesige Mülldeponie, die nach hinten hin steil ansteigt. Dort, am Hang, ein alter Mann, möglicherweise ein Arbeiter, vielleicht auch ein Penner auf der Suche nach brauchbaren Abfällen. Von oben wird ein großes Doppelbett herabgelassen, goldfarben, wahrscheinlich Messing, das wie frisch bezogen aussieht, und auf einer Ecke schräg senkrecht zu stehen kommt. Unter der Bettdecke zeichnet sich ein länglicher Gegenstand ab. Als der alte Mann die Decke zurückzieht, sieht man einen Leichnam, steif und gerade, mumienartig eingewickelt, dessen bleiches Gesicht an Jack Nance in Eraserhead oder vielleicht auch an Jack White von den White Stripes erinnert.

Es bleibt tatsächlich nichts übrig.

Finde dich damit ab.

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gehört nicht mir

yes is more: not that stupid

eine Geschichte umständlich erzählen/eine Geschichte ZU umständlich erzählen

Ganz normal, dass Leute Fehler machen. In einer Geschichte wirken Fehler aber unglaubwürdig, wie billige Kunstgriffe des Erzählers, um einen bestimmten Ausgang zu erzwingen. In der Geschichte müssen also auch Fehler motiviert sein, es sei denn, man würde sich sehr viel Mühe geben, das Zufällige eines Fehlers zu betonen (und damit zum Thema der Geschichte machen). Frage wäre, ob das tatsächlich unsere Weltsicht ist, oder ob das einfach nur eine Art Abkommen mit dem Erzähler ist, dass wir eine Geschichte nur dann interessant finden, wenn wir das Geschick des Erzählers, den Fortgang seiner Geschichte durchzumotivieren, bewundern können. Der eigentliche Held wäre dann tatsächlich der Erzähler, und es ginge in einer gelungen Geschichte nicht um eine realistische, glaubwürdige Weltsicht, sondern um die geschickte Erfüllung einer hermetischen Erzählhaltung.

Oder geht es eigentlich darum, durch eine sinnvolle Erzählung die Welt als sinnvoll darzustellen, die so sinnvoll gar nicht sein kann?

Das aufstrebende Bürgertum – auweia, nichts wie weg. Besitz = Bürgertum? Sieht ein bisschen danach aus. Wäre schon ein Debakel.

Was sagt Dein Herz?

Ich will ein bisschen …

Bitte auch Kopf aufräumen!

Wo soll ich den denn hinstellen?

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And then everything was over. Again.

Musik ist auch nur ein Geräusch (Dylan Nyoukis).

Die gleiche Papiertüte an die Wand geheftet und in meiner Hand sieht so verschieden aus, dass ich mehrmals hin und her schauen muss, um sicher zu sein, dass das Design identisch ist. Unbefuckinlievable.

Schon oft gesagt, aber ich sage es gerne noch einmal: Schade, dass man bei Filmen so schnell das Bild über die Story vergisst. Schade, dass man nicht beides haben kann. Für einen wirklich tollen Film müsste man eigentlich beides haben. So what are we gonna do? Das einzige, das für den Verlust des Bildes entschädigen kann, ist Emotion/Tiefe, by the way. Otherwise the film gets shallow. Nur eine öde Nacherzählung, mehr oder weniger spannend und bald vergessen. Gib der Story Tiefe, gib der Story Bilder, ansonsten vergiss es. Der Spannungswert und der Schauwert allein machen es nicht, soviel ist klar.

Leggins in Strumpfhosen-Ocker (I wanna have).

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GOT LOST

Komponieren heißt nicht, etwas zusammenzusetzen, sondern etwas in einen Zusammenhang zubringen.

Ganz klar symphonischer Zusammenhang, Verschmelzung von Stimme und Klavier in einem Feld. Verschmelzung von drei Texten in einem Feld. Text blitzt durch, wenn man ihn kennt, an einigen Stellen sogar ziemlich deutlich, an anderen gar nicht. Die Rufgeste kann man sicherlich nur mit Erklärung als Textausdeutung verstehen. Es stimmt aber tatsächlich, dass die Texte bei näherem Hinsehen eine starke Präsenz haben, obwohl man erst enttäuscht ist, dass sie letztlich vermieden worden sind.

Frage wäre sicherlich, warum ein Stück, dass auf der offensichtlichen Ebene nicht funktioniert, letztlich doch überzeugt. Vielleicht, weil es absolut ernst ist. Weil das Wort Gefahr am Ende einschließlich Klavierstretta tatsächlich als Aussage funktioniert. Als ob das ganze Brimborium davor nur daraufhin komponiert wäre.

Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, warum es nötig ist, Texte so ineinander zu verzahnen, dass man sie nicht mehr verstehen kann, wenn man sie nicht in ihren Bestandteilen auswendig gelernt hat. Klar könnte man sagen, dass die Detailarbeit auf allen Ebenen, also auch der Textebene, gleichwertig sein muss, auf der anderen Seite ist Text eindeutig kein musikalisches Material und kann nur als solches behandelt werden, indem man ihn als Text zerstört.

Ein Mann mit einem riesigen Geschwulst auf der rechten Backe steht in der Konditorei vor dem Eistresen, genau an der Stelle, die zur Toilette führt. Ich bleibe stehen und warte darauf, dass er mich vorbei lässt. Er rührt sich nicht und schaut mich fragend an. – Hilfe!

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Gedichtaufsagen

Man träumt, man geht in Selbstgestaltung
Aus Selbstentfaltung der Vernunft;
Man träumte tief; die falsche Schaltung:
Das Selbst ist Trick, der Geist ist Zunft.

Sprich:
Gott ist Einer,
Ein ewig reiner,
Hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner
Und nicht ihm gleich ist einer.

Und wenn der Herbst die Lilien bricht,
Denk und weine, so zunicht
Ist worden unsere Liebe.

Wenn erst die Rosen verrinnen
aus Vasen oder vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen,
fallen die Tränen auch.

I don‘t know and I don‘t care. Few things we remember, but some. Well, after all, not that few.

Plötzlich fiel mir alles wieder ein.

Tuba: Sorry to be a Spielverderber, aber macht es wirklich Sinn, ein Instrument zu bauen mit ich weiß nicht wieviel Metern Rohrlänge, um dann zu demonstrieren, dass man damit auch hohes Rauschen erzeugen kann? Ist wahrscheinlich ein spießiges Argument, aber irgendwo ist da doch ein Problem, oder? Und wenn es nur die Nerdigkeit des Unterfangens wäre. Und ich sage nicht, dass das Ergebnis als solches nicht in sich überzeugend wäre. By the way, schöne Bässe.

Schatten auf Schatten auf Schatten: Keine schlechte Idee (Zumthor). S. Maurizio/Licht

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101

it opens with a ragged burst of high, loud sound from the brass and all of the woodwinds except the flutes and clarinets

at the same time the sound of strings playing col legno and mezzo-piano begins

now and then it is accompanied by pianissimo events from the flutes and clarinets that one is not always sure he has actually heard

other percussion events take place sporadically:

two soft timpani rolls
seven angklung events
four low contrabass marimba events
twelve bowed piano events
and a single whirring bullroarer intensified sometimes by one, two or three other bullroarers joining in

towards the end, but not at the exact end, the brass and all the woodwinds except the flutes and clarinets are heard fortissimo and in their highest range, a second and last time, falling apart, so to speak, rather than holding together as a group

the strings, flutes and clarinets and the percussion continue, and then after a minute or so stop playing, each at his own time

throughout there is another kind of music being played on the piano and on the harp. it is mezzoforte, more articulate. it stands out like a duet or two solos, and though we hear them, we hear everything else, too, and not in the background

Klassische Orchesteraufteilung, insofern intelligente, aber auch konventionelle Entscheidung. Interessanterweise scheint es nicht wirklich zu funktionieren: Es funktioniert weder als unmittelbares Ereignis, trotz des Bemühens um Lebendigkeit und Unvorsehbarkeit im Detail, dafür sind die tatsächlichen Entscheidungen zu uninteressant, noch als Bild eines Ereignisses, als Abstraktion eines Ereignisses, was es ja auch sein könnte, dafür ist die unmittelbare Präsenz des Geschehens wiederum zu stark. Interessant natürlich die klare Dramaturgie in der Zeit, die durch die Detailverschiebungen zwar ein wenig aufgeweicht wird, aber dennoch über das statische Bild eines klassischen Cage-Stückes eindeutig hinausgeht.

NO LIMITS NO CONTROL

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Augen

what if we wouldn‘t miss anything if all this was gone?

Im Prinzip ja alles ganz schön zerstückelt, übrigens: Einen Film anfangen, etwas anderes machen, am nächsten Tag weiterschauen, wieder eine Pause machen, eine kleine Reise unternehmen, und erst, wenn man wieder zurück ist, den Film zu Ende sehen. Könnte ja auch sein, dass das gar nicht geht, dass unser Hirn das nicht mitmacht, ist aber offensichtlich nicht so, sondern völlig selbstverständlich. Beim Buch geht es gar nicht anders, bei Film oder Musik kommt es einem doch komisch vor, wahrscheinlich, weil sie ursprünglich Aufführ-, Vorführmedien waren, und erst seit VHS und DVD privat gelesen werden können. Wäre aber lustig, wenn es nicht ginge, wenn das Gehirn streiken würde.

Merkwürdig, wie einen auch Kürzestreisen in eine neue Situation bringen: Du kommst nach Hause, und nichts ist so, wie Du es verlassen hast. Ein bisschen übertrieben: Vor allem ist der Aufräumzwang verflogen, anscheinend.

Staud: lang/kurz, schnell/langsam

Ist doch gerade toll, dass die Stadt keinen Kern hat!

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Sympathie

Otto von Passau, Die 24 Alten, Basler Buchmaler: Geometrische Felsblöcke (1457).

Sätze, die jeder sagen könnte, die von jedem stammen könnten, die Allgemeingut sind, aber deswegen nicht klüger, sondern dümmer, quasi aussagelos. Man hört gar nicht hin, es ist sozusagen gar nichts gesagt worden. Ausdruck totaler Unselbständigkeit.

Mondrian: Absoluter Rhythmus/Gewichtung, letztlich auch Perspektive (Linien, nicht Flächen). Bild Nr. 1: Abschattierungen, Überschneidungen, zusammengefasste Flächen.

Let Hässlichkeit reign.

Bezahlen: Wäre lustig wenn man das einfach nicht könnte, und zwar nicht, weil man kein Geld hat, sondern weil man das Prinzip nicht versteht. Man könnte ja auch sagen, dass es reines Mitläufertum ist, sich auf das Prinzip Geld einzulassen.

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St. Gallen

Palermo 1964/65: Interessant bei Objekten die Fläche so sehr zu betonen (und die Seiten einfach unbemalt zu lassen). Gleichzeitig das Holz mit Leinwand zu überziehen, um das Bildhafte noch zu verstärken. Farbauftrag/Farbauswahl/Eindruck hat zum Teil fast etwas von Alten Meistern – was eigentlich undenkbar weil verpönt und hier auch nur deswegen so überzeugend ist, weil es offensichtlich nicht Ziel der Arbeit war.

Palermo 1970: Interessant, das Holz in Leinwand zu verpacken (auch hier nur Bildfläche bemalt), aber auch nicht, und das dann gegeneinander zu setzen. Hier auch: Stückelung des Balkens.

Extrem persönlich ohne es darauf anzulegen. Lustigerweise spielen dann auch Hilfslinien eine Rolle, ob so gemeint oder nicht. Selbst Klebstreifen, und das wahrscheinlich absichtlich, da das gesamte Blatt signiert ist.

Das Trübe, Dunkle, Verwischte gegen das Klare, Helle, Strahlende. Farbschattierungen Alte Meister. Malen und aufkleben vs. aufkleben und malen.

Durchnummerieren: Folge – Geschichte – Dramaturgie

Palermo 1977: Lustig, wie das Weiß von der Wandfarbe fast nicht mehr zu unterscheiden ist. Keine Angst. Das Gerade und das Krumme.

Flipper: Super Idee, die Linien einfach wegzulassen, ein bisschen wie Spielhöllenblinken.

Siegel mit Rahmen.

Pinselspuren, trocken, feucht, einzelne Haare: Alte Meister. Taktilität. Gerade in Druckgraphik. Öl und Haare. Tizian. Scharlachrot.

Abreißblöcke. 1963/1976. Den Fehler nutzen. Schattierungen Tablettenbild. Gesättigte Linie. Bilderfolge Bandes Dessinées.

Dem Hintergrund beschmieren, um das Beschmieren zu isolieren.

Diptychon als Wechsel/Kippbild.

Und dann
Und dann
Und dann
Plötzlich

Umschlag vom einen Bild zum anderen Bild. Das Spontane vervielfältigen. Komplexität Wasserfarbe. Beherrschte, kontrollierte Spontaneität, GESEHEN.

Offensichtliche Komplexität übersehen, nicht beachtet. Hässlichkeit, Fehler, Anschluss.

Solange du da bist. Wenn du gehst, endet der Text.

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Starrsinn

Ecken und Kanten: Kann natürlich auch ein bisschen peinlich sein, s. Ballack, obwohl ich eigentlich o.k. finde, wie er das macht. Die Figur des Helden mit Kanten ist aber sicherlich ein bisschen angeranzt. Wird ja auch leicht zu einem unangenehmen Automatismus: Man kann dann gar nicht mehr anders, als den Ungehobelten geben, auch wenn diese Rolle die größten Dummheiten mit sich bringt. Faulheit. Selbstgefälligkeit. Verkrustung.

Musings

Ooops! Becoming a Kinoshita fan lately.

Beat als universelle Einheit. Letztlich einfaches Raster/Zeitmaß.

Nicht-Salz als Gewürz: Man müsste verschiedene Grade von Gesalzen voneinander absetzen. Salz als Verstärkung, aber auch als Überdecken von Eigengeschmack.

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Vermittlungswut

Der Freundlichkeits- und Nettheits-Druck ist extrem gestiegen, im Grunde wird erwartet, das sich jeder mustergültig benimmt und nur insoweit auffällt, als es vermittelbar ist, also verkauft werden kann. Ist ja relativ offensichtlich, dass Facebook etc. bei aller Betonung des Einzelnen ziemlich genau in die gleiche Bresche, nämlich Normalisierung, Konformität schlägt. Man fragt sich ein bisschen, wer nun eigentlich der Freak ist, diejenigen, die rausfallen, oder vielleicht doch Milliarden durchgedrehter Konformisten? Ganz klar, dass der Vermittlungszwang in den Künsten einen ganz ähnlichen Weg einschlägt: Die Vermittlung ist wichtiger geworden als der Gegenstand, der auf die Vermittlung hin konzipiert werden muss. Olafur Eliasson als Extrembeispiel, quasi Vermittlungsfabrik, Firma für Vermittlungskonzepte. Finde ich übrigens alles nicht schlimm, nur falsch – Irrtum – und wahrscheinlich angstgesteuert. Wäre doch auch toll, wenn niemand kommen würde. Aber das scheint im Moment nicht zu gehen.

Wenn wir mit dem Vermitteln durch sind, werden wir alle weinen und bereuen – was wollten wir eigentlich noch mal vermitteln? Unsinn.

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alamut: launch and learn

Nichts ist so interessant wie die gestrige Zeitung, im Gegensatz zum bekannten Diktum, und das Gestern kann sein das von vorgestern, von vor zwei Monaten, vier Wochen oder mehreren Jahren (RG): Stimmt, und stimmt nicht, der Druckartikel behält tatsächlich seine Anziehungskraft, die sogar noch größer wird, weil er die Atmosphäre der vergangenen Zeit speichert, der reine Text verliert aber mit seinem Thema an Interesse, fast egal, ob er gut oder schlecht geschrieben ist, so dass sich Zeitungsaussortieren fast von selbst ergibt, weil ganz vieles einfach nicht mehr interessant ist. Wer will denn die Aufregung von vor zwei Jahren noch einmal nachlesen, wer hat die Zeit? Es sei denn, man arbeitet an genau diesem Thema. Lustigerweise ist man tatsächlich und unweigerlich schlauer als der Schreiber von vor zwei Jahren, weil man weiß, wie die Geschichte weiter- oder ausgegangen ist.

Fehlt natürlich der Aspekt des Erinnerns/Vergessens: Dass man sich erst einmal erinnern muss, was damals war, auch die wichtigsten, beherrschenden Aspekte fallen irgendwann aus dem Bewusstsein.

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hate & revenge

Quietus/Primavera: „Overthrow your government now!“ Das muss inzwischen eine der dümmsten Aufforderungen sein, die man überhaupt geben kann. Wenn ein Arschloch geht, kommt das nächste Arschloch, egal aus welchem politischen Lager – nicht, dass das GAR KEINEN Unterschied machen würde, aber eben nur sehr begrenzt. Das dürfte inzwischen doch wirklich jeder mitbekommen haben. Glaubt irgend jemand ernsthaft, dass beispielsweise die Piratenpartei einen anderen Weg gehen wird – wenn sie überhaupt einen Weg geht? Auch die Idee, politische Probleme im wesentlichen auf Haben und Nichthaben zurückzuführen, ist zwar nicht grundsätzlich falsch, aber völlig überaltert, sorry. Am härtesten ist aber der Irrtum, genau diese Geisteshaltung bei Pulp festmachen zu wollen, deren Musik immer von der Hölle auf beiden Seiten gesporchen hat – explizit und erst recht implizit.

vielleicht doch Silben/Wörter/Halbsätze/Sätze als Einheiten?

A3: Gesicht nach oben, Kopf nach vorne, gerade und ungerade gleich.

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HARM

Kinoshita/Imamura, Narayama: This miserable, wretched life! How could you not be moved by …

Tragik akzeptieren

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Machu Picchu

Einsatz
Dauer
Material
Tonhöhen

fuckin‘ artwork

Wenn der Einsatz als solcher kontrolliert wird, wird Zeit schon wieder als zusammengesetzt behandelt.

Eugen Onegin: Die Musik läuft weiter das Bild springt zurück die Erzählung wird in die Vergangenheit versetzt.

Rahmenhandlung
Ahnung
Gegenwart

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100 Jahre Aufräumen oder so

Silence is hell – is to be avoided. Try to cover every silence you feel, every sound you hear, by something more intense, or louder than you would have conceived before. Apply amplification to coverage.

MBRSI: negativ/positiv, Gegenstand/Nichtgegenstand, Dauer negativ Dn, Dauer positiv Dp, Dn = 0: Dp schließen unmittelbar aneinander an, je häufiger Dn = 0 desto länger die Phrasen bzw. desto mehr Dp schließen unmittelbar aneinander an. Dp wie Dn leere Dauer, die mit beliebigem Gegenstand gefüllt werden kann, aber eben tatsächlich gefüllt: Gegenstand wird nicht innerhalb Dp gesetzt, sondern füllt Dp komplett aus. Metrum fällt da erst mal weg, bzw. stellt gleichmäßiges Raster dar oder wird im Nachhinein an Struktur angepasst. Irgendeine Form der Synchronisations-Steuerung müsste es allerdings zusätzlich geben um Passagen ohne Synchronisation, mit annähernder Synchronisation und mit exakter Synchronisation voneinander abzusetzen, also eine Graduierung der Synchronisation zu erreichen. Ähnliches könnte man sich für Tonhöhen und gestisches Material ebenfalls vorstellen. Möglich wäre auch eine Grundreihe + Ableitungen. Nicht zu vergessen die Horizontale. Zeit würde dann wieder zum Kontinuum, würde Zusammengesetztheit verlieren.

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Einsamkeit und Todessehnsucht

Die Verweigerung verweigern: Geht leider nicht ganz auf, klingt gut, klingt lustig, endet aber da, wo alles angefangen hat, nämlich in der Banalität. Der Markt ist absolut positivistisch und schluckt jede Dialektik. Also: Von wegen tolle Provokation – im Effekt läuft die Verweigerung der Verweigerung auf eine banale Anbiederung hinaus. Was man sonnenklar am Publikum erkennen kann. Nicht dass das wirklich ein Thema wäre – kam mir nur so unter, beim Zeitschriften wegwerfen.

Noch so ein Problem, das nur begrenzt eines ist, wo man aber trotzdem immer wieder mal ein bisschen drüber nachdenken kann: Komplex notierte Musik, die einfach klingt, weil sie letztlich in der Aufführung doch in die banale Geste umschlägt. Einfache Sachverhalte, kompliziert dargestellt. Inwieweit hilft die Notation dennoch dem Stück? Inwieweit ist die Notation das eigentliche Stück und jede Aufführung eine traurige Enttäuschung? Würde man in der Aufführung einen Unterschied hören, wenn das Stück einfacher notiert wäre?

Das heißt nicht, dass diese Fragen schon Argumente gegen eine hyperkomplexe Notation wären: Alles, was dem Stück hilft, ist o.k.

Welchen Wert hat Notation für sich betrachtet, ohne Rücksicht auf die Aufführung?

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Humor

Geht es eigentlich nur mir so, dass ich Dinge, die im allgemeinen als humorvoll bzeichnet werden, überhaupt nicht lustig finde? Wenn von Stockhausens köstlich hurmorvollen Instrumentenschmatzern berichtet wird, dreht sich mir eher der Magen um als dass ich lachen muss. Ist nicht das, was dort als humorvoll bezeichet wird, eine ganz widerliche Form von Geschmacklosigkeit und billigstem Witz?

Ich denke ja eigentlich, dass man, wenn man wirklich witzig sein will, offensichtliche Witze um jeden Preis vermeiden muss. Mit anderen Worten: Alles, was offensichtlich ein Witz sein soll, kann nicht witzig sein. Echte Witze müssen so gebaut sind, dass man nicht entscheiden kann, ob sie witzig oder ernst gemeint sind. Sozusagen Pokerface-Humor. Wobei ich ehrlich gesagt noch nicht einmal sicher bin, ob Stockhausens Schmatzer wirklich lustig sein sollen – wenn doch, wäre das allerdings tatsächlich ziemlich schlimm.

Z.B. sind manche Marthaler-Sachen wahrscheinlich deswegen wirklich witzig, weil sie so tun, als ob alles ganz normal wäre, weil sie keinerlei Zeichen geben, dass etwas witzig gemeint sein könnte, weder während der Vorstellung, noch danach. Wie furchtbar wäre es, wenn man die Marthaler-Komik als Witz erzählt würde!

Z.B. Imamura, Profound Desires of the Gods: Extrem komisch, weil hundert Prozent ernst genommen, alles, was wir sehen, ist völlig absurd, aber total realistisch, und läuft wie eine klassische Tragödie unschuldig ins Verderben. Übrigens wird das Gute, das den Personen geschieht, immer unterspielt und nie direkt ausgesprochen, es sei denn, es müsste innerhalb der Geschichte angesprochen werden. Guter Witz wäre also: Unterspielen und nie offen aussprechen. Im Vagen halten. Vgl. Ironie.

Natürlich können auch total bescheuerte, völlig überspielte Witze toll sein, ist ja klar. Am liebsten beides zusammen, und ein bisschen ist das bei Imamura auch so.

Schwere, große, bunte Metall-Ölfässer hoch oben auf dem schmalen Sims eines überdimensionalen Tankstellendachs im strahlenden Sonnenschein. Ich friere.

Fremdes Material Oper

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And then I died.

Das lustige an Listen ist, dass selbst bei einer doofen Liste so wahnsinnig viel Gedankenarbeit, Auswahlarbeit, Wissensarbeit dahinter steht, und am Ende kommt eben nur eine Liste heraus. Trotzdem bleibt immer klar, wie wichtig Listen sind. Eigentlich die einzige Möglichkeit, den Überblick zu behalten.

Rekord: 5 Wochen Aufräumen und sonst nichts. Die Wohnung leer geräumt. Erstaunlich, was man alles wegwerfen kann. Was sich alles von selbst erledigt. Aber auch, was sich gar nicht erledigt, wo man immer wieder ran muss, wo es nie einen echten Abschluss gibt.

IM: Der Weg des geringsten Widerstands – für alle Beteiligten.

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Verantwortung macht klug.

Häh? Was denn jetzt???

Claus Koch: Das ist ja wohl ein Witz.

1980: Suddenly everything was about style. Oder nicht?

ALLES, als ob es gestern gewesen wäre.

Poppea: Extrembeispiel für reine Text/Tonhöhen-Arbeit und relativ eindeutig zu monolithisch. Das rezitativische Prinzip wird nie durchbrochen, weder in Richtung reine Musik, noch in Richtung reiner Text. Das Ausfüllen des Notentextes durch die Schauspieler/Sänger genügt nicht, um den unangenehmen Eindruck eines in sich geschlossenen, nicht reaktionsfähigen Systems aufzubrechen. Im Prinzip von der Problemstellung nicht grundsätzlich verschieden von unserer aktuellen Situation: Das Entlangkomponieren am Text als grundsätzliches Übel.

Alles völlig egal.

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