Monthly Archives: November 2011

Volker

(körperliche) Schwäche genießen/auskosten

and then
she
fuckin‘
died
after a good life
alone

(Hüttenweg 14)

Evgenii Bauer, Twilight of a Woman‘s Soul: Interessant und völlig überraschend, wenn eine 100% konventionelle Geschichte, die eindeutig auf ein Happy End hinsteuert, unerwarteter Weise schlecht ausgeht. Könnte man so heute unmöglich machen, würde wie ein Witz wirken. Kann eigentlich nur heißen, dass 1913 diese Konventionen nicht im gleichen Maße ausgebildet waren. Was merkwürdig ist, denn die Notwendigkeit des Happy Ends scheint sich ja eigentlich durch die Jahrhunderte zu ziehen. Möglich, dass der Film als damals junge Kunstform einerseits unbekümmerter mit Konventionen umgehen konnte, andererseits Geschichten extrem schematisch und für uns konventionell erzählen musste, was für unsere Augen hundert Jahre später nicht mehr zusammen passt.

things that happen

twice

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Zirkus

Architektur: Lustig, wie sich Ideen durchsetzen und damit selbst erledigen – je schneller durchgesetzt, desto schneller erledigt. Boxen schief übereinander stapeln dürfte sehr bald überhaupt nicht mehr gehen. Auch, weil die ikonische Wirkung so eindeutig ist und sich immer selbst ähnlich bleibt.

Gleichzeitig immer wieder erstaunlich, wie dann jemand komplett Kind seiner Zeit ist, alle Ideen verwendet, die für eine bestimmte Periode typisch sind, und es trotzdem schafft, einen eigenen Dreh zu finden, ein bestimmte GEFÜHL in der Formsprache zu verwirklichen, das nur ihm eigen ist (Steven Holl). Gutes Beispiel für jemanden, der sich nicht um übergreifende Kohärenz in seiner Arbeit zu bemühen scheint und sie dennoch – oder gerade deshalb – herstellt. Kohärenz der Arbeitshaltung im Unterschied zu stilistischer Kohärenz, die nur öde ist.

Das ist das Problem bei BIG: Dass zwar Beweglichkeit und Offenheit explizit im Zentrum der Arbeit stehen, die Herangehensweise und die Art der Ideen aber eigentlich immer gleich bleibt. Ist natürlich trotzdem toll, bleibt aber tendenziell pauschal, und man hat das Gefühl, dass zu wenig Risiko eingegangen wird, obwohl genau das ja eigentlich der Fokus ist. Es ist aber immer die gleiche Art von Risiko. Ein bisschen mehr Verletzlichkeit würde wahrscheinlich helfen.

Was nie geht, ist, wenn eine Form aus einem anderen Bereich in die Architektur hineingenommen wird, also quasi Gegenständlichkeit, eine bekannte Form wird DARGESTELLT. Wirkt eigentlich immer billig und unangemesse mit dem Medium umgegangen. Letztlich funktionieren die Fassaden-Bedruckungen der 90er und 0er Jahre auch nur sehr begrenzt, nämlich nur so lange, wie sie das Dogma der Schmucklosigkeit durchbrochen haben. In dem Moment, in dem die Idee normal wurde, wurde sie nicht nur langweilig (s.o.), sondern eben auch als dem Medium fremd durchschaubar.

Architektur wird interessanter, wenn man sieht, dass sie gut ist, aber nicht genau versteht, warum sie es ist. Gerade, was die Formsprache betrifft. BIG sind da ein bisschen Taschenspieler: Man versteht tatsächlich nicht, wie die Form zustande kommt, man spürt aber, dass es ein einfaches Kalkül ist, das die komplexe Form hervorbringt.

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Empfindlichkeit

Kann man machen, sieht ok aus, hilft aber nicht.
Hilft nicht?
Kickt nicht, bringt uns nicht weiter.
Aha.

How are you?
Fine.
And now?

How is your day today?
Good.
And how is it now?

Rücksichtslos sein, vor allem gegen die eigenen Ideen. Wenn es so nicht geht, muss es eben anders gehen. Nicht um jeden Preis festhalten an Dingen, die man für gelungen hält.

Genießer sind natürlich auch schrecklich, genau wie Nicht-Genießer. Man kann’s nicht nur nicht jedem recht machen, sondern keinem.

Do you wanna cry or do you wanna shout?

wütend, extrem wütend

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Pragmatismus

Man kann übrigens nicht wirklich sagen, dass klassische Musik im Gegensatz zu Popmusik keine rhythmische Prägnanz hat, in gewisserweise ist der gebrochene Rubato-Rhythmus der Klassik viel aufdringlicher als der durchlaufende Beat der Popmusik. Könnte sogar sein, dass genau das ein Grund für die Randdasein von Klassik ist: Die Inkompatibilität des klassischen Rhythmus mit dem alltäglichen Leben.

Die Auswahl muss in irgendeiner Weise konsistent sein, damit man die Brüche wahrnehmen kann.

Solange über etwas nachdenken, bis man nicht mehr weiß, was man tut.

Ganz interessant, dass es immer wieder vorkommt, dass man nach vielen Versuchen zur ersten Idee zurückkehrt. Man dachte, man muss das genauer machen, man muss sorgfältiger damit umgehen, aber am Ende stellt sich heraus, dass es das beste ist, dass Konzept knallhart durchzuziehen. Mit allen Härten.

Sich anstrengen als Eigenschaft? Verdienst? Erziehung? Etc.

Keine gute Bedeutung.

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Himmelserscheinungen

Schwarzblende – Weißblende – Farbblende: Wenn Schwarzblende Nichts ist, Abwesenheit, Auslöschung, reine Unterbrechung, wenn Weißblende Überintensität ist, in die Sonne schauen und deswegen nichts sehen, vielleicht aber auch Verblassen, Ausbluten, was ist dann Farbe? Stimmung, Atmosphäre, Emotion, Gegenstand, Wand, Tafel? Jedenfalls eher Etwas als Nichts. Jede Fläche könnte auch etwas bedeuten, überführt werden in Bedeutung durch Verknüpfung, aber das ist nicht der Punkt. Das Gefühl, wenn nichts mehr zu sehen ist und doch etwas da ist. Und klar eine Bedeutung, eine Funktion hat, die man eigentlich auch sofort versteht. Wenn es funktioniert.

Pulp, His ,N‘ Hers/Different Class/This Is Hardcore: Völlig over the top, ins Extrem produziert, alles in Großaufnahme. Habe ich damals gar nicht gemerkt, obwohl für mich This Is Hardcore wahrscheinlich sogar DAS Album der End-90er war. Ich glaube, ich habe den Pulp-Sound damals für ganz normal gehalten, eben genau richtig, habe damals alles voll ernst genommen, gar nicht überdreht, bin auch nicht sicher, ob es nicht tatsächlich so gemeint war, obwohl gerade musikalisch alles extrem überproduziert ist. Glaube nicht, dass das einfach so passieren kann, könnte ironisch sein, könnte aber auch einfach ganz weit aus dem Fenster gelehnt sein. Mit anderen Worten: Toll, Respekt, ganz große Oper.

Streichquartett: Tonhöhen nicht absolut setzen, sondern in Beziehung zu den Instrumenten, vieleicht sogar zu den Taktdauern. Möglicherweise nicht Instrumente, sondern Stimmen als führender Parameter, also Tonhöhen auf Stimmen auf Instrumente durch Taktdauer – oder so ähnlich. Das kann eigentlich nur heißen, Stimmen und Tonhöhen als je eigener, unabhängiger Parameter.

I‘m not well – well, who is?

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Überreste von extrasolaren Planeten verunreinigen Weiße Zwergsterne

BIG: Vernunft/Nutzung auf der einen Seite, Formsprache als nicht begründete Stilentscheidung auf der anderen Seite (zeitgenössische Folie als nicht ausgesprochener, aber unverzichtbare Voraussetzung). Begründung als fadenscheinige Motiviation im Voraus feststehender Geschmacksentscheidungen. Nicht schlimm, aber auch nicht völlig überzeugend – halt zweite Generation. Wäre schöner, wenn es besser wäre, logisch. Trotzdem lehrreich und unterhaltsam, angenehm doof zusammengefasst. Nur der Angeber-Aspekt, mit dem ja dann auch noch zusätzlich kokettiert wird, nervt ein bisschen – sehr. Bewusstes Kokettieren mit Charakterschwächen macht unangenehme Eigenschaften nicht automatisch erträglicher. Usw.

Ich kann und möchte nicht glauben, dass ich gehört habe, was ich da gerade gehört habe. Ich soll – was?

Bisschen aufpassen bitte, Genauigkeit, Präzision, Wahrhaftigkeit kann natürlich auch zum Tic, zum Spleen, zum Wahn werden.

drifting in and out of control – kind of strange technique

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Gob Squad

Das Ende der Verheißungen: Jetzt wissen wir alles.

I am very content.
I am very content.
I am very content.
I am very

Oh, shit! How could that happen???

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Was uns zur Verfügung steht:

Bei allen Regeln, bei allen Strategien, die man sich ausdenkt, ob klug oder dumm, intelligent oder bescheuert, ist natürlich immer entscheidend, dass sie ausführbar, also PRAKTISCH sind. Letztlich das entscheidende Kriterium. Und dass herauskommt, was herauskommen soll, vorausgesetzt, das ist bestimmbar. Alles andere ist Verzierung.

Untrust: Absolute Musik mit Text. Einfach so schreiben. Warum eigentlich nicht. Später arrangieren, wenn sinnvoll. Dinge zusammenbringen, die eben NICHT zusammengehören.

Patience has become my second nature.

Formale Metapher: Filmriss (fffff)

Dynamik als wesentliches dramaturgisches Steuerungselement

this is true, but not good: shame on you – don‘t excuse yourself with honesty

Dramaturgien übereinander legen, einander überlagern.

Boys don‘t cry: Ziemlich wirkungsvoll, wenn die Katastrophe von Anfang an allen komplett klar ist, wenn man nur noch mitleidet und irgendwie hofft, dass sie vielleicht, gegen jede Wahrscheinlichkeit, doch nicht eintritt. Hängt natürlich vom Mitgefühl mit der Hauptfigur ab. Letztlich relativ geniale Tragödienkonstruktion. Absturz – down, down, down. Unausweichlichkeit.

Manche Witze werden tatsächlich dadurch lustiger, dass man sie wiederholt. Und zwar nicht variiert, sondern einfach nochmal macht. Wie ein Baby. Die Variation kommt schon dadurch zustande, dass man sie nicht exakt wiederholen kann, bzw. dadurch, dass die Wiederholung dem Witz etwas neues hinzufügt. Und zwar jedesmal. Einzige Frage, ob es dann der Witz ist, über den wir lachen, oder seine sinnlose Wiederholung – ist die Wiederholung der eigentliche Witz geworden? Irgendwie schon, auf der anderen Seite ist aber auch klar, dass das nicht mit jedem Witz geht: Eher Gesten, kurze Pointen, Sinnlosigkeiten, als Witze, die man wirklich erzählen muss. Die ja eigentlich sowieso fast immer doof sind. Forget Witzeerzähling.

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we go WAY back

Im Prinzip kontrolliert ja schon die Eingrenzung des zur Verfügung stehenden Materials die möglichen Veränderungen innerhalb eines bestimmten Abschnitts. Insofern müsste der Grad der Veränderung nicht unbedingt zusätzlich kontrolliert werden. Vielleicht könnte die Variabilität des Materials überhaupt als Grundparameter zur Kontrolle aller anderen Parameter eingesetzt werden.

Variabilität eingrenzen – verengen – stecken bleiben – I hear you – I feel you

0 Variabilität = Wiederholung

Dafür müsste allerdings tatsächlich im Voraus geklärt werden, welche Parameter überhaupt die Konstruktion bestimmen sollen.

Der Takt ist die Einheit, ganz klar.

Innerhalb der einzelnen Abschnitte je Parameter NIE wesentliche Veränderungen, damit die Abschnitte in den anderen Parametern deutlich werden können?

In der Regel tut man zuviel.

Nicht alles ausformulieren: Wo sinnvoll, Parameter frei lassen und nur Möglichkeiten je Abschnitt festlegen, damit Parameter in der Ausarbeitung aneinander angepasst werden können.

g/ä/v als erste Vorstrukturierung für ALLE Parameter? Auch dafür müssen aber erst die Parameter festgelegt werden, logischerweise. Oder eben gerade nicht: Abstrakte Vorstrukturierung, u.U. auch ohne Rücksicht auf Zeitverlauf.

Irgendwo hier, zwischen A und B, muss etwas passieren.

Etwas tun, was man nicht kann, ist auch eine Art von Verstellung.

sudden drop in temperature

Na dann streck dich mal ein bisschen!

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We have begun our descent.

Richard Youngs, Amplifying Host: Going in and out of phase with itself, quite beautifully. Use that.

It‘s a new situation.
Why? In terms of what?

Zahl der Töne
Dissonanzgrad

Nicht den Grad der Veränderung, sondern die Veränderung selbst bestimmen, dann soviel wiederholen wie möglich. Einfach ausführen. Don‘t think, just do it. Don‘t get …

überambitioniert

give up/gib auf: Lustig, dass manche Dinge einfach zu schwer zu denken sind, um ausgeführt werden zu können. Man kann sie denken, man kann sie sich vielleicht auch vorstellen – SO könnte es sein, DAS wäre toll – aber dann geht es nicht mehr weiter, die Ausführung übersteigt schon in der Detailkonzeption die individuellen Fähigkeiten. Egal, wie lange man daran herumprobiert, irgendwann muss man einsehen, dass man es nicht kann. Es geht einfach nicht. Und

Relax – it‘s only

a ghost

das dürfte schon besser sein würden

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Chitarman II.

Ganz enges Raster ziehen, ultraschnell (tocatissimo) oder ultralangsam (Regentropfen).

Wiederholungen, Schnitte, Störungen einbauen, auf einzelne Impulse, aber auch auf Impulsgruppen bezogen.

Stimmen herausnehmen, Teile herausnehmen, Akkorde auseinanderziehen.

Cheap

Artikulationen mischen: Innerhalb eines Akkordes, zwischen den Stimmen, zwischen den Instrumentengruppen. Aber natürlich auch von Impuls zu Impuls.

Zahl der Stimmen, Zahl der Instrumente.

Mendelssohn oder so.

Toccata und Anti-Toccata

Rhythmus mit/gegen Abnahmepunkt

Der Hada Meister, Bundi
Drei Kota-Meister
Nainsukh

Mattes Theaterschwarz
Schalldämpfender Bodenbelag

Kosuth: Schnelligkeit von Kunst zerstört, Langsamkeit erzwungen durch Text. Text als Bild. Text als Text. Bild als Text.

Text, den man nicht sinnvoll überfliegen kann: LANGSAM lesen.

The beauty of it.

Cheap as hell.

Quite beautiful.

Totale Verlangsamung.

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Filed under Form, Kunst, Material

Over

Zufällig Punkte abgreifen vs. Umkehrpunkte verwenden.

Umkehrpunkte im ursprünglichen Rhythmus vs. neuen Rhythmus auf Umkehrpunkte legen.

Artikulation: staccato – portato/tenuto – legato.

Neu vs. noch einmal anschauen.

Ich: Akkordeon, Streichquartett, Schlagzeug, 3er-Takte, 5er-Takte, Klöppeln, Toccata.

just an idea, sorry

Interessant, wenn Spannung langweilig wird, möglicherweise, weil immer wieder die gleichen Knöpfe gedrückt werden, vielleicht auch, weil die Art der Story, wenn auch nicht ihre Detailentscheidungen, zu voraussehbar ist. Eben auf der Sinnesebene wie auf der Entscheidungsebene immer wieder die gleichen Reize.

A glorified parlando, which was, after all, not what I was hoping for.

Two laws of presentation
From
Aspects of temporality
Antony McCall 1975

Aber
Echt
Echt
Also
Das Wäre sehr

So verzweifelt bin ich nun auch wieder nicht.

Gemeinschaftssinn, Vision einer besseren Zukunft: Leider ohne mich, sorry. How come I don’t believe in it?

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Filed under Form, Kunst, Oper, Stücke

ad infinitum

Wiederholen/Stottern auf einem Ton: Punkte (Instrumente). Möglichkeit, zusätzliches Material zu generieren.

Chor wie Orchester behandeln: Zahl der Stimmen vs. Zahl der Instrumente (mögliche Zahl der Instrumente durch jeweilige Situation bestimmt, immer > 1, um Solisten abzugrenzen) –

vs. Orchester, logischerweise.

Schnelligkeit = Querlesen

Stichwörter

My Name is Gold.
Really?
No.

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Filed under Oper

And who the fuck are you?

Ich
ich
ich

NUR die Situation
KEIN Text

und die Situation bleibt notwendigerweise undefiniert

Klavier
Mann
Staffelei

Antivernunft, gottseidank:

Handlung, Geschichte, ist so furchtbar vernünftig.

Murmeln/Sprechen: Regisseur

ad libitum

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Anti-phlogistine

Stemann: Vielleicht wäre es tatsächlich besser, mit einem offenen Text zu arbeiten, oder mit dem vorgegebenen Text viel freier umzugehen. Feste Anzahl von Sängern, unbegrenzte Anzahl von Rollen, keine feste Zuordnung. Freie Behandlung des Textes, freie Behandlung der Musik. Keine feste Zuordnung Text-Musik. Verschiedene Textarten, verschiedene Vortragsarten, verschiedene Musikarten. Das Problem einer Geschichte (und sei es nur die Syntax des Textes): Sie wird durch die Musik so extrem verlangsamt, dass man sich fragt, warum sie überhaupt noch erzählt wird. Wir haben doch schon längst kapiert, worum es geht. Ja, und das ist der Hauptgrund für die Verlangsamung, warum wird der Text überhaupt gesungen? Ist er nicht wichtig? Ist er besonders wichtig? Oder gehört es sich einfach nur so? Ist ja nun mal ne Oper. Bitter bitter bitter: Die Gedanken sind einfach viel schneller, als eine Oper je sein könnte. Das Gefühl von Schnelligkeit kann nicht nur körperlich sein (Tempo), es muss auch wirklich etwas passieren (Text).

Wenn der Komponist der Regisseur ist, was macht dann der Regisseur? Wenn die Inszenierung schon fertig ist, was wird dann inszeniert?

Sätze als Wörter, Wörter als Silben,
Silben als Wörter, Wörter als Sätze.

Was ist interessanter: Ein vollständiger Satz oder seine Bruchstücke?

Jedes zweite, jedes dritte, jedes vierte Wort.

Alle Wörter.

Nur die wichtigen Wörter, nur die unwichtigen Wörter,
nur die betonten Wörter, nur die unbetonten Wörter.

Sprechen ist vollständig, Singen ist unvollständig.

Von
an
alles

Schnitt
Sprung
Verbindung

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Filed under Oper, Text, Theater

GANZ ANDERS

Nochmal zu Erinnerung/Gedächtnis: Bewusste Erinnerung beschränkt sich meistens auf das, was du auch in Worten beschreiben kannst. Eine Wohnung, die du in größeren zeitlichen Abständen mehrfach besucht hast: Es mag sein, dass deine Beschreibung korrekt ist, dass du mit einiger Anstrengung auch eine große Zahl von Details korrekt wiedergeben kannst, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die Wohnung, wenn du sie das nächste Mal besuchst, doch ganz anders sein wird, als du sie beschrieben hast. Selbst, wenn du die Höhe der Decke korrekt angegeben hast, wird sie in Wirklichkeit höher oder niedriger scheinen, der Flur wird breiter oder schmaler wirken, und die Atmosphäre, die Stimmung wird ganz anders sein, als du sie in Erinnerung gehabt hast. Ein kleiner, fast unbewusster Schrecken, aber doch ein wahrnehmbarer Schrecken. In Wirklichkeit ist immer alles ganz anders, als wir es uns gedacht haben. Nur die Gewohnheit, die alltägliche Wiederholung, lässt uns darüber hinwegsehen.

Natürlich sind das nur Feinheiten, und selbstverständlich können wir uns nicht an jedes Detail erinnern, aber ist das ein Grund, nicht beunruhigt zu sein? Mach eine Probe: Versuche, dich an einGesicht zu erinnern, das du jeden Tag siehst – du wirst über Banalitäten nicht hinauskommen, vielleicht auch deshalb, weil wir jeden Tag anders aussieht.

Details in der Zeit.

Stehen in der Zeit.

From time to time you die.

Giacometti.

Kind of bad taste.

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Chor

Poppea: Extrembeispiel für reine Text/Tonhöhe-Arbeit und relativ eindeutig zu monolithisch. Das rezitativische Prinzip wird nie durchbrochen, weder in Richtung reine Musik, noch in Richtung reiner Text. Das Ausfüllen des Notentextes durch die Schauspieler/Sänger genügt nicht, um den unangenehmen Eindruck eines in sich geschlossenen, nicht reaktionsfähigen Systems aufzubrechen. Im Prinzip von der Problemstellung nicht grundsätzlich verschieden von unserer aktuellen Situation: Das Entlangkomponieren am Text als grundsätzliches Übel.

Und auch mein geliebter Lully: Wenn man ehrlich ist, ist das ohne das ganze Spektakel auch nicht SO spannend, Sololinien gegen homophone Chöre, immer am Text entlang, natürlich toll gemacht, natürlich fantastisch mit dem Sprachgestus umgegangen, aber auch da fehlt doch etwas, oder etwa nicht? Im Grunde immer das gleiche Problem: Wie bringt man das Ganze in eine musikalisch bestimmte Struktur, ohne den Text und seine dramaturgische Idee zu verlassen. Meinetwegen könnte man den Text ruhig zerstören, missachten, zerstückeln, und was sonst nicht, aber am Ende muss er doch irgendwie sinnvoll durchscheinen und nicht einfach nur ein Vorwand für die Musik gewesen sein. Kann aber sein, dass das schon wieder ganz falsche Fragen sind, viel zu ernst genommen, einfach machen, ausprobieren, und wegwerfen, wenn es nichts geworden ist, das müsste jetzt die Methode sein.

Sprache
Stimme
Gesang

UO: Eher der Sound, als das Stück.

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Übrigens

Aufschreiben im Grunde ja genau das Gegenteil von Erinnern: Alles, was man aufgeschrieben hat, kann man getrost vergessen. Stimmt allerdings nicht immer: Aufschreiben, um daran zu denken vs. Aufschreiben, um den Gedanken los zu werden.

ERFAHRUNG des Singens: Was bedeutet das eigentlich, wer macht das? Ist ja offensichtlich kulturell geprägt, Klangschönheit und Reinheit als europäisches Ideal, und genau das gilt dann immer als Grunderfahrung des Gesangs. Der gesamte mehrstimmige Chorgesang, der ja so ein tolles Gemeinschaftsgefühl entstehen lassen soll, wäre ohne dies nicht denkbar und würde wohl auch keinen Sinn machen. Abweichungen sind nur als Dekonstruktion des Chorideals zu verstehen, nicht als aus sich heraus entwickelte Komplexe. In ihrer Abweichung verweisen sie unmissverständlich auf das Ideal als Ausgangspunkt. Man müsste das miteinberechnen in seine Arbeit, fragen, wo Mehrstimmigkeit wirklich sinnvoll ist, und wo nicht, und zwar vielleicht sogar ÜBERHAUPT NICHT. Was könnte Stimmen zusammenhalten, die gleichzeitig, aber nicht mehrstimmig singen? Was wäre ein sinnvolles Modell, das nicht einfach nur klassische Chorsatz-Muster abarbeitet? Wie kann man eine neue Qualität aus dem eigentlich ja auch immer ein bisschen peinlichen Format Chormusik entwickeln?

Da kommt dann natürlich irgendwann – und zwar eigentlich ziemlich schnell – Text und Verständlichkeit ins Spiel.

Stimmen zusammenfassen – Stimmen trennen

homogenisieren – antagonisieren

gleich/ähnlich/verschieden

kein Kontrast!

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