Quasi der Wald.

Beim Lesen der Sprache, und vielleicht sogar der Bedeutung nachstolpern: Man hat eigentlich alles verstanden, man könnte ohne weiteres wiederholen, worum es gerade gegangen ist, aber man hat das Gefühl, dass man den Satz doch nicht vollständig nachvollzogen hat, dass man vielleicht den Rhythmus nicht richtig verstanden hat oder den Wortklang, oder dass man einfach ein bisschen zu oberflächlich gelesen hat. Passiert eigentlich immer, wenn man sich genau das fragt: Ob man den gerade vergangenen Satz wirklich vollständig verstanden hat. Lass uns ihn nochmal lesen. Und nochmal. Und nochmal. In Wirklichkeit kommt man weder der Bedeutung, noch dem Rhythmus auch nur ein bisschen näher, es ist eher so, dass das Lesen langsam in eine Art Kurzzeit-Auswendiglernen übergeht, irgendwann können wir den vollständigen Satz auswendig wiederholen, aber wenn wir ehrlich sind, haben wir nicht wirklich mehr verstanden als beim ersten Durchgang. Es ist eher eine Art schlechtes Gewissen, fast, als ob wir den Sätzen, wenn wir sie nicht wieder und wieder wiederholen, Unrecht tun würden, das uns stocken und zurückschauen lässt. Und die Einsicht, dass es nicht wirklich eine tiefere Bedeutung hinter dem, was wir sofort verstanden haben, gibt, so dass es auch keinen natürlichen Endpunkt unserer Wiederholungsbemühungen gibt, die uns weiterlesen lässt.

Eine Alternative wäre: Sich zu zwingen, durchgehend schnell zu lesen, ohne irgendeine Form von Unterbrechung und Rückschau zu erlauben. Das durchzuhalten wäre eine echte Konzentrationsübung, da wir uns dann tatsächlich ohne jede Unterbrechung konzentrieren müssten, um dem von uns gelesenen Text gerecht zu werden, sprich, wie im Kino, nichts zu verpassen, und mit Sicherheit wesentlich anstrengender als ein langsames Lesen mit Vor- und Rückschau. Kann nicht zurückgedreht werden, läuft ab wie eine Aufführung, auf deren Fortgang wir keinen Einfluss haben.

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