Dann plötzlich nur noch Fehler.

4 pains:

birth
aging
illness
death

rust + bone: Merkwürdig grobschlächtiges Drehbuch, gerade im Vergleich zu Un Prophète. Nach einiger Zeit hat man das Gefühl, immer im Voraus zu wissen, was als nächstes geschieht, auch wenn das nicht stimmt. Bestes Beispiel: Junge auf zugefrorenem See, Vater dreht sich weg, logischerweise bricht Junge ein. Ziemliche Unart bei sehr vielen Filmen, funktioniert natürlich immer, wenn man Spannung aufbauen will, ist aber die primitivste aller möglichen Methoden, eine Szene aufzubauen. Interessant übrigens, dass es trotzdem immer wieder funktioniert, dass man tatsächlich bis zu einem gewissen Grad mit zittert, obwohl der Verlauf so offensichtlich ist. Wahrscheinlich einfach nicht vollständig beherrschbare Reaktion auf reale oder imaginäre Gefahr. Es ist allerdings nicht so, dass jede Gefahr, die eingeführt wird, auch immer zum Vollzug führt, z.B. geht man als Zuschauer tendenziell davon aus, dass, nachdem sie am Anfang ihre Beine verloren hat, er bei seinen Straßenkämpfen am Ende seinen Verstand verlieren wird. Das wird nie explizit nahegelegt, liegt aber die ganze Zeit in der Luft: Es gibt eigentlich keinen in der Storyline verankerten Grund dafür, dass es ihm am Ende tatsächlich gelingt, Profi zu werden. Problem: Wahrscheinlich kann man in einer Filmerzählung das Unheil nicht einfach aus dem Nichts zuschlagen lassen, wenn man eine Geschichte aufbauen will. Es muss also gewisse Andeutungen von Gefahr, von Dingen, die geschehen könnten, geben, eine Art Möglichkeitsraum, in dem sich die Figuren bewegen. Wäre interessant, wie wenig da reicht, wie viel da sein muss, um als Erzählung zu funktionieren. Ob es interessanter ist, wenn möglichst wenig angedeutet wird, ob vielleicht doch die direkteste Vorbereitung diejenige ist, die am besten funktioniert, ob es sinnvoll ist, sehr viele Möglichkeiten anzudeuten, die dann gar nicht mehr berührt werden und einfach verschwinden, oder ob es besser ist, absolut geradlinig exakt das zu geben, was die Erzählung benötigt. Ich könnte mir vorstellen, dass es einen gewissen Spielraum geben muss, damit der Film nicht völlig durchschaubar wird, aber nicht zu viel, damit der Zuschauer sich nicht über die vielen falschen Fährten ärgert. Was könnte man mit falschen Fährten machen, wenn man sie nicht einfach verschwinden lassen will? Echter erzählerischer Realismus würde vermutlich Gefahr nur in den seltensten Fälle vorbereiten, da sie uns im realen Leben eher unvorbereitet trifft. Es ist letztlich der allwissende Erzähler, der reflektierende Zuschauer, der die Gefahr sieht, in die der Protagonist läuft, nur in den seltensten Fällen der Protagonist selbst.

Wichtig: footwork-bassdrum

45 Minuten Sicherheit. Perverse Psychologie: Endlich Zwang. Du kannst nicht anders. Du darfst nicht anders. Plötzlich hältst Du Dich daran. Warum nur?

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