Category Archives: Neue Musik

Zynischer Populismus

Die Frage ist ja schon, wie man so eine Konstruktion cool halten kann, wie man dafür sorgt, dass sie nicht zu gefrickelt wird, sondern eine gewisse Frische behält. Bei mir letztlich immer auch, ein Scheiß drauf, dass man die Konstruktion nicht zu ernst nimmt, sondern dass man mit ihr spielt, gegen sie arbeitet, sie kaputt macht. Dass es keinen Spaß macht, sie einfach nur auszufüllen, dass da irgendetwas herauskommen muss, das über die Konstruktion hinausgeht. Letztlich kann das aber auch eine Neurose sein, dass man ständig aus dem Haus entwischen will, das man sich selbst gebaut hat. Fixierung. Was wäre, wenn man sich übergenau, quasi wie ein Idiot, daran halten würde, es einfach ablaufen lassen würde, die Konstruktion durch Übererfüllung in Frage stellen würde? Die Frage ist aber auf jeden Fall: Was SOLL an der Konstruktion interessant sein? Was IST an ihr interessant? Schnelligkeit ist übrigens auch ein Faktor: Auf irgendeiner Ebene muss es schnell gehen, sonst wird es automatisch spießig. Wenn man zu lange darüber nachdenkt.

Total vergröbern: Nur Haupttöne und direkt daneben liegende Vierteltöne? Wäre dann ein echtes Raster, in das die Tonhöhenbewegungen eingefügt werden.

Warum sprechen die Leute immer von Seele, wenn sie es einfach nur bequem haben wollen?

Könnte es sein, dass nur diejenigen, die keine Vision haben, danach suchen? Dass diejenigen, von denen die Rezeption sagt, dass sie eine Vision haben, nie danach suchen, sondern sich ausschließlich darum kümmern, ihren Job so gut wie möglich zu machen?

Wahrscheinlich nicht ganz, man versucht ja doch, ein bestimmtes Gefühl, eine Grundhaltung zu kommunizieren, man würde immer sagen, nein, das geht nicht, das fühlt sich falsch an – insofern gibt es schon eine Art Richtungsmesser, der bewusst eingesetzt wird, um die eigene Arbeit zu steuern. Das ist nicht das, was ich will. Dafür stehe ich nicht. Das ist falsch. Nicht gut. Nicht gut. Falsch.

Pontormo 

Wichtig: Schattentöne definieren, nicht alles auf eine Ebene setzten, extreme Gegensätze AUCH AUF EINEM TON. Mit absolutem körperlichen Einsatz, AUCH FÜR DAS INSTRUMENT (Rameau/Korea)..

Drastik

Mikrophon direkt über dem Publikum aufhängen, Ergebnis über frontal aufgestellte Lautsprecher abspielen, das Publikum hört sich beim Zuhören selbst zu.

LOVE
HATE

Was ist das denn für eine Textsorte?

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Harmlosigkeit + Bedrohung

Wir waren in eine neue Wohnung umgezogen, deren übergroßer Vorraum, genau wie das Treppenhaus des Gebäudes, mit Travertin ausgekleidet war. Es klingelte, ich ging in den Vorraum, um den Türöffner zu bedienen, konnte aber auf dem metallenen Bedienungselement die einzelnen Knöpfe nur umrisshaft erkennen, als ob ich in ein starkes Gegenlicht schauen würde. Ich drückte einfach alle Knöpfe, irgendwann summte es, ich hatte offenbar den richtigen Knopf gefunden. Davon ausgehend, dass meine Frau nach Hause kommen würde, wartete ich in der Tür. Nach einer Weile kam eine Gestalt die Treppe hoch, die von der Größe her meine Frau hätte sein können, aber wie in einen überweiten Mantel gekleidet schien und, als ob ich wieder ins Gegenlicht schauen würde, nur im Umriss erkennbar war. Als sie näher kam, meinte ich, das Gesicht meiner Frau schemenhaft erkennen zu können. Schrecken der Ungewissheit.

Synthiepop im Nebenhof klingt ein bisschen wie Vaporwave, eigentlich ganz hübsch, angenehm dumpf.

Kurze Schnitte aus Gran Partita 1:1 zitieren: Proben, Beweisstücke (Orchestration, Registrierung, der Klang).

Wenn das jetzt Architektur wäre, was würdest Du machen? Was ist das denn eigentlich, Konstruktion? Übereinstimmungen, Unterschiede, Bezugspunkte durch Gradierungen von Ähnlichkeit. Ist das wirklich so? Hören wir das wirklich so? Klar, wir verstehen natürlich schon, dass dies jenem ähnelt, das dieses genauso laut ist wie jenes, dieses sich in der gleichen Geschwindigkeit bewegt wie jenes, dieses ähnlich klingt wie jenes. Aber ziehen wir wirklich den Vergleich? Spüren wir eine ernsthafte Spannung zwischen diesen Punkten? Wohl eher nicht. Ich glaube, dass wir eigentlich Musik komplett anders hören, auch wenn wir wirklich konzentriert zuhören und sie nicht einfach an uns vorbeiziehen lassen. Die Analyse wirkt so irrelevant gegenüber dem eigentlichen Erlebnis. Nehmen wir doch ruhig mal Feldman (II), super leicht zu analysieren, wenn wir wollen, können wir exakt wissen, was er tut, und was er nicht tut. Und wir können auch, während wir das Stück hören, darüber nachdenken. Aber eigentlich spielt sich doch etwas ganz anderes ab: Wir driften in und out of focus, wir hören an bestimmten Stellen genau zu, an anderen weniger oder gar nicht, unser Interesse lässt nach, wenn wir zu wissen glauben, was passieren wird, wenn wir nicht mehr glauben, etwas Neues entdecken zu können.

Eine stille Verzweiflung könnte sich ausbreiten, wenn wir denken, es hat sich also wieder nicht gelohnt, den Weg ins Konzert auf sich zu nehmen, es wird wieder alles so sein wie es immer war, es hat sich nichts verändert, und es wird sich nichts verändern.

Verstrebungen, Statik, Schwerkraft. Wir haben natürlich nicht den Gesamteindruck mit einem Schlag, auch wenn wir uns möglicherweise um das Gebäude und durch das Gebäude bewegen müssen, um es wirklich zu verstehen, aber wir bewegen uns notwendigerweise durch die Musik und mit der Musik, da sie das ultimative zeitbasierte Medium ist. Es ist grundsätzlich völlig o.k., Musik als einen festen Gegenstand, dessen Proportionen streng festgelegt sind, zu betrachten, und es ist vor allem selbstverständlich möglich, aber es entspricht nicht unserer Erfahrung.

FORM
DRAMATURGIE
MATERIAL

Eigentlich spricht das Stück nur durch die Form. Nicht die Form artikuliert die Dramaturgie, sondern die Dramaturgie beleuchtet die Form. Und das Material trägt den Gegensatz zwischen Form und Dramaturgie.

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bad is the new good

Überbindung overrulet!

Lustig, dass man Notizen immer sofort aufschreiben muss, sonst verlieren sie ihre Dringlichkeit, sind bloße Erinnerung, nicht einmal an eine Idee, sondern eher an eine Wortfolge, oder sogar in dem, was sie eigentlich aussagen sollten, völlig vergessen. Das macht die aufgeschriebenen Notizen interessant, dass man gar nicht mehr so genau weiß, was sie eigentlich bedeuten sollten, dass man oft nur noch erahnen kann, wofür sie eigentlich stehen. Funktioniert aber genau deswegen nur, wenn man sie sofort festgehalten hat. Momentanes Gefühl, Erinnerung, ja, so war das, das habe ich gedacht, gemeint, nicht falsch, nicht richtig, weil es nie so bleibt, wie man dachte, auch dann, wenn man sich das eigentlich wünschen würde. Dynamik des Schreibens, Ausformulierens, das natürlich die Idee, den Gedanken verändert, auch banalisiert, weil es ihn in den Bereich des Realismus der Formulierung transportiert. Ja, genau, so ist es – ist es halt nicht, nie.

Gleich und ähnlich als geschlossene Kategorien, weil sie in der Nähe des Gegenstandes bleiben müssen, auf den sie sich beziehen, verschieden als offene Kategorie, weil sie alles andere, was nicht gleich oder ähnlich ist, umfasst. Und ein verschieden, das sich nachvollziehbar auf den Ausgangspunkt bezieht, eigentlich ein ähnlich wäre, weil es Eigenschaften des Gegenstandes beibehalten muss.

reality is SO slow: na ja, da fährste dann da hin, 40 min, musst vielleicht noch Schlange stehen, warum kann man das denn nicht einfach downloaden, dann gehts nicht gleich los, wenn du Pech hast, gibts noch ne Vorband, dann gehts los, aber nach 5 min merkst du, dass es nicht so toll ist, wo kann man das denn jetzt wegklicken, dann stehste noch ne Stunde rum, und fährst wieder 40 min nach Hause, in der Zeit hätteste 100 Mixtapes durchklicken können

Dilloway/Siena: Schon merkwürdig, wie gut das funktioniert, eigentlich ja absolute Kunstlosigkeit, zumindest wirkt es so, gleichzeitig absolut einnehmend als roher Klang. Würde man gerne haben, wirkt auf bizarre Weise echt.

neutraler Grund, neutrale Position: Nee, das ist zu spießig, zu öde, das geht nicht. Das ist definitiv die interessanteste Position, auch wenn man das absolut nicht erwarten würde. Den neutralen Grund vermeiden, bis er seine Neutralität verliert. Und dann logischerweise nicht mehr neutral ist. Dann ist eine andere Position der neutrale Grund. Kann es mehrere, vielleicht sogar viele neutrale Positionen geben? Oder vielleicht sogar nur eine Position, die nicht neutral ist? Oft einfach, dass es unangenehm ist. Dass es die unangenehmste Position ist. Die lustigste Position. Merkt nur niemand, natürlich.

Oktavsprünge als Grundmerkmal vokaler Melodik: Da, wo man nicht mehr weiter kann, muss man eben springen.

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flammendes Grün

unmögliche Schnitte vorproduzieren

Elektronik (an/aus, Verstärkung, etc., im wesentlichen Mischpult) ganz normal rhythmisch ausnotieren, dann wie eigenes Instrument spielen.

shepard tone
shepard scale
risset glissando
tritone paradox

Licht an wie schneller Kameraschwenk: Du orientierst dich sofort, aber nicht ganz ohne Verzögerung. Als ob der Raum in seine Position schwingen würde.

Orchester durch zwei Türen hindurch gehört: Was bleibt, ist das unvermeidbare Pathos, das man ihm leider nicht austreiben kann. Eigentlich wie eine Art angeborene Seelenkrankheit, die allem eine falsche Betonung, eine falsche Farbe gibt. Als ob man das gesamte 19. Jahrhundert immer mit sich herumschleppen würde. Ein einfaches Entschlacken genügt da leider nicht. Eine Krankheit, die grundsätzlich alle klassischen Instrumente befallen hat, aber nirgends so heftig auftritt wie im Orchesterverband.

Wäre naiv zu denken, dass es das Problem bei Popmusik nicht gibt. Es ist aber mehr als einfach nur ein abgegriffener Klang. Eher eine Klanglichkeit mit falschem Anspruch: Ich bin so entspannt, ich bin so engagiert, etc. Immer nur, weil dieser Klang für diese Haltung steht, bzw. diese Haltung diesem Klang eingeschrieben ist: Er wird sie nicht mehr los, er kann sie gar nicht mehr loswerden.

Alter Porsche, sowas wie moosgrün: Super Idee, wahrscheinlich aber nachgespritzt, also einfach nur Design. Schade.

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Costas Array

Ignaz Friedman, Pariser Str. 21

난 괜찮다고 또 웃으며 Good Bye: Schweller mit dem Schlag, Schweller gegen den Schlag, Schweller, die sich gegen den Schlag verschieben. Am Lautstärkeregler herumspielen (Maurizio/Licht, Radio).

Das ist dies. Und das ist das. Geballte Klugscheißerei. Wie gut, dass wir mal wieder auf der richtigen Seite stehen und alle, die es wollen, daran teilhaben lassen können. Harald Schmidt für Arme. Und dann noch schnell im Verzeichnis der bequemen Provokationen geblättert: Adolf Hitler, 9/11, Osama bin Laden. Ist ja echt aufregend. Na ja, eigentlich nicht. Allenfalls der Mut zum totalen Trash. Ist auch nicht wirklich größenwahnsinnig. Würde nur sehr gerne größenwahnsinnig sein. Und tut die ganze Zeit so, als ob. Aber immer mit der nötigen argumentativen Absicherung, immer auch den Beweis integrieren, dass man es eigentlich gar nicht so meint. Vielleicht, im besten Fall, geil zynisch.

Stimmfarbe im Flüstern erkennbar (ausspielen).

Schlachten 2: Motette mit Registerschattierungen vorschreiben. Erst dann genaue Tonhöhen ausarbeiten.

Vaporwave als Klassik: Absolute Musik. Wahrscheinlich wirklich.

Mahler 9, letzter Satz, als statische Ikone.

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Nur mit der Oberlippe spielen.

pressen + hauchen

Material: Möglichst tot, möglichst verbraucht. Auf der anderen Seite willst du natürlich auch einen gewissen Zugriff haben. Was würdest du dann mit 0-Material machen?

Brett auf Pauke (weißes Rauschen)
Gong auf Brett (Heulen)
Bogen auf Nagel (reine Töne)
Einhändige Stoppschläge, quasi Ausschnitte aus Wirbel (Praller)
Runde Metallplatten mit eingebauten Glissando (ziemlich lang und weit)

Stimme/Instrument – Instrument/Stimme

Sidsel Endresen: Every fuckin’ Michael Jackson grunt.

Wenn nicht nur für eine kurze Geste, sondern für eine oder mehrere Phrasen verwendet, kann Einatmen tatsächlich auch mehr als ein doofer Effekt sein, quasi Samurai-Stimme (auch bei Frauen).

Auch bei Sprechen/Sprechsingen/Singen in kleinen, umstellbaren Modulen denken, die frei beweglich sind. Auseinandernehmen, Lücken, Löcher, Luft: Unbedingt vermeiden, dass das einfach so wie am dramaturgischen Schnürchen abläuft.

Stimmt auch wieder. Natürlich.

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Be my guests!

This is so boring!
Let’s make it even more so.
Let’s make it UNBEARABLY boring.

Feldman, String Quartet (II): Tatsächlich müsste man fragen, was das genau bedeutet, da rumzusitzen und vier Personen zuzuhören, wie sie ihre Instrumente bedienen. Ist tatsächlich etwas anderes, wenn es verstärkt ist, leichter zu verfolgen, schärfere Fokusierung, keine Höranstrengung. Merkwürdigerweise steht weniger der Klang im Vordergrund, als die körperliche Tätigkeit, das, was die Personen wirklich tun. Wenn man das Stück schon öfter gehört hat, spielt natürlich eine Riesenrolle, was man wiedererkennt, und was man nicht wiedererkennt. Was ist anders, was ist gleich. Was hat man so noch nie gehört – was erstaunlich häufig vorkommt. Mit anderen Worten: Auch hier große Bandbreite von Spielmöglichkeiten, die merkwürdigerweise mehr mit der körperlichen Verrichtung als mit intellektuellen Entscheidungen zu tun zu haben scheinen. Dinge, die man erst gar nicht erkennt, und dann merkt, ah, das soll das sein. Faktisch denkt man über die Verknüpfung der Motive eigentlich nicht nach. Man erkennt nur, wenn etwas wiederkommt, innerhalb der Aufführung, oder in Bezug auf frühere Aufführungen, die man gehört hat. Stimmt nicht ganz: Man denkt schon auch, das hatten wir schon, war aber irgendwie anders. Und natürlich denkt man, das hatten wir aber definitiv noch nicht. Oder: Aha, da kommt das wieder. Eigentlich durch diesen Wiedererkennungseffekt ziemlich statisch: Es kommt wieder, oder es kommt nicht wieder, so ein bisschen ja/nein bzw. 0/1-Entscheidung, zumal es ja keine Überleitungen gibt. Im Grunde hört man dann ab einem bestimmten Punkt nicht mehr wirklich zu. Ist dann vielleicht auch nicht mehr so spannend, wenn man im Wesentlichen das gesamte Material bereits kennt und die Detailvarianten nicht wirklich nachvollziehen kann. Ist ja auch wirklich eine komische Ruhigstellung des Publikums, ohne irgendeine körperliche Aktivität stundenlang an dem gleichen Ort sitzen zu müssen. Im Prinzip ist es möglich, dass es auch für das Publikum gut ist, wenn die Musterwechsel nach und nach weniger werden und schließlich fast ganz wegfallen: Die Wechsel zwischen den Mustern sind auf Dauer in ihrer Willkür doch ein wenig nervend, man denkt fast, oh nein, noch ein Wechsel, oh nein, schon wieder neues Material. Allerdings freut man sich, wenn etwas ganz neues kommt, lustigerweise. Also stört offenbar die Verankerung, Absicherung in der Wiederholung. Wechselmotiv leicht versetzt wird unabsichtlich zu punktiertem Rhythmus – der hier eigentlich verboten ist wie in der gesamten Neuen Musik, weil er sehr tonal schwache Zeit und starke Zeit unterscheidet. Inbegriff des Auftakts. Notizen, um den Kopf wach zu halten: Geht tatsächlich besser, wenn man etwas aufschreibt, als wenn man nur so vor sich hindenkt. Ganz klar: Neues kommt besser als Wiederholung, vielleicht aber nur, wenn es die Wiederholung als Grundlage gibt. Endlich was Neues! Schon auch lustig dass sich das so viele anhören. Akkord + Pizzicato: Ziemlich super. Lustig dann das Pizzicato in das nächste Muster mit reinzunehmen. Dann so etwas wie ein Pizzicato-Marsch. Lustig, wenn die Sachen dann plötzlich ganz anders klingen, als man es gewohnt ist: Andere Betonung, andere Dynamikverteilung, anderes Gestikverständnis, anderer Klang. Falsch? Richtig? Jedenfalls offen für Abweichungen. Natürlich auch Unvollkommenheiten, technisches Unvermögen. Das klappt einfach nicht. Fortissimo-Akkord dann tatsächlich als Gewicht: Muss man nicht so spielen, funktioniert aber. Betonung. Im Prinzip ganz schön viele Möbel, die da in der vierten Stunde noch rumstehen. Die müssen doch alle noch weg. Oder war es das genau jetzt, setzt jetzt der Leerstand ein? Anfänge von neuen Mustern klingen oft wie Auftakte, obwohl sie das gar nicht sind. Lustig, dass die Akkordpaare am Ende dann plötzlich komplizierter als die eigentlichen Muster wirken, möglicherweise wegen der mehrfachen Zuordnungsmöglichkeiten. Wirkt tatsächlich, als ob die Dichte zunehmen würde, obwohl sie faktisch abnimmt. Es ist dann irgendwann tatsächlich egal und auf jeden Fall interessant. Erstaunlich, dass die ganzen Leute bleiben und zuhören.

Ben is exactly where he wants to be.

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Fehleinschätzung

Implizierter Aggressivitätsanspruch, den man vielleicht gar nicht wirklich vertreten will. Und gar nicht mitgedacht/mitgemeint hat.

Das wäre wahrscheinlich genau der Vorteil von Tonalität: Ihre Uneigentlichkeit. Während alle anderen Tonhöhenorganisationen angestrengt ihre Eigentlichkeit behaupten. Und genau so klingen. Distanz. Nicht immer gleich direkt ins Gesicht drücken. 

An was halten wir da eigentlich fest die ganze Zeit? Und aus welchen Gründen?

Elektronik steht natürlich auch für Uneigentlichkeit, eigentlich der Inbegriff von Uneigentlichkeit in der Musik – allerdings nur in Bezug auf die Art ihrer Klangerzeugung und den Rückbezug des Klangs auf seine Erzeugung.

Uneigentlichkeit: So etwas wie nicht offensichtliches Vorführen. Dinge ablaufen lassen. Der Dichter spricht schon lange nicht mehr. Hat er je gesprochen? Oder dachte er nur, dass er spricht?

Vorführen als Aspekt von Ironie.

Musizierfreude, direkter Ausdruck etc. geht in diesem Zusammenhang natürlich gar nicht, es sei denn, sie werden selbst vorgeführt, nachgespielt.

Zu einem vollständigen Konzept würde wahrscheinlich auch gehören, wieviel Arbeit und wieviel Zeit für die Ausführung benötigt wird. Durchrechnen.

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mise en abime

keine Aktivität

Es hat kein Geheimnis (Atonalität). Das stimmt ja sogar: Alles ist exakt das, was es ist, nicht mehr, und nicht weniger. Nicht, dass das wirklich noch ein Thema wäre. aber vielleicht eben doch. Das Problem ist nicht, dass man es nicht versteht, sondern dass man es viel zu schnell versteht, und danach nichts folgt, weil nichts folgen kann. Wenn das Angenehme an tonalen Klängen nicht ihr Wohlklang, sondern ihre Mehrdeutigkeit wäre?

Geräusche sind nicht atonal: Atonalität ist die Negation von Tonalität. Geräusche sind die Negation von Tonalität UND Atonalität. Tonale vs. atonale Geräusche?

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Spiegel/Montage

Bronzino
Del Sarto
Pontormo
Fiorentino

Neben Dir sitzt eine ehemalige Mitarbeiterin von Dir.

J.C.F. Bach: Schleichendes Klarinettensolo, wie ausgewürgt, herausgebrochen, Anfang und Ende kaum hörbar – kann doch nicht so gemeint sein, oder? Oder lassen sich die authentischen Instrumente auf dieser Dynamikstufe gar nicht anders spielen? Wenn ja, extremes Ausdruckspotential: Zu spät da, zu früh weg. In too much too soon.

Virtuosität, reine Virtuosität, so etwas wie Spaß an der Bewegung, am Schwierigen, Schnellen, in seiner Schnelligkeit vielleicht nicht mehr nachvollziehbaren und deswegen umso wirkungsvolleren: Auch eine merkwürdige Erfindung. Schnelligkeit geht sozusagen in Geräusch über, etwas, das man in seinen Einzelheiten nicht mehr wahrnehmen kann.

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the party and the afterparty

Obsessionen, die wie Krankheiten verfliegen – oder auch nicht. Ich kann mich gar nicht erinnern, was da war.

Pisaro: Would you mind if I skip the next 72 minutes, darling? Irgendwie ganz falsch, einfach das Mikrophon in die Landschaft zu halten, andererseits hört man tatsächlich zu.

Klavierklänge in geräuschhafter Umgebung, Einzeltöne mit tonalen Implikationen: Nostalgische Emotion, Wiedererkennen eines musikalischen Ausdrucks, erstaunliche Effektivität im Evozieren einer verschwundenen Welt. Dabei hilft es, wenn das Klavier ein wenig verstimmt/ältlich klingt, ist aber nicht notwendig.

Angenehm zu spielen, aber extrem unangenehm zu hören – gibt es sowas? Einfach schlecht spielen ist hier natürlich nicht gemeint.

Es macht nur Spaß, wenn es aufwärts geht: Was wäre denn, wenn es ab sofort nur noch abwärts gegen würde, wie würde man sich damit einrichten? Naivität des Optimismus. Steigerung im Schlechterwerden. Glück.

Notizen M/L: Rauschen am Anfang, ein Takt (also Schlag), z.B. auf Dämpfer, quasi als Rahmen?

U.U. Teil I-III NICHT alle Instrumente erste Lage, sondern mittlere Lage für das gesamte Ensemble, also hohe Streicher tief, und tiefe Streicher hoch legen. Dann mit Teil IV oder spätestens Teil V in die extremen Lagen, also hohe Streicher hoch, und tiefe Streicher tief gehen.

Teil VII: Wischen differenzieren durch Selektion der Saiten, quasi Saitenmelodie auskomponieren, hohe Streicher/tiefe Streicher, hohe Saiten/tiefe Saiten. Auch ganz hell (alle auf hohen Saiten) und ganz dunkel (alle auf tiefen Saiten) überlegen. In diesem Zusammenhang auch gehaltene Klänge, gestrichenes gegen gewischtes Rauschen möglich. Intensivierung.

Bei der Entwicklung seiner Gerichte, sagt Rüffer, gehe er gern von zwei, drei Produkten aus, die eigentlich nicht zusammenpassen dürften.

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Your place in society

Den Zweifel für 45 Minuten suspendieren.

Design: Rötlicher Schimmer, vielleicht auch rosa, kaum sichtbar.

Ja, klar, Reue: Angeblich bereut ja niemand nichts. Allein das könnte schon Zeichen genug sein, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, mal wieder ein bisschen mehr zu bereuen. Wenn Du dies machst, bereust Du das, wenn Du das machst, bereust Du dies. Es geht ja gar nicht unbedingt um Fehler, sondern um all das, was man nicht machen konnte, weil man sich für etwas anderes entschieden hat. Lustigerweise fällt da das Bereuen auf der Mikroebene (gehen wir heute abend hierhin oder dorthin) deutlich leichter als auf der Makroebene (hätte ich bloß/wie konnte ich nur). Wahrscheinlich eine gigantische Verdrängung. Die Vernunft sagte mir, dass ich nicht bereuen soll.

Maurizio/Licht, Teil IV: Möglicherweise Material nochmal halbieren, weil sich Einsatzdauern im Mittelwert halbieren. Material dadurch mehr und mehr entcharakterisiert. Würde man es danach wieder augmentieren, würde es tendenziell nur noch einfache Glissandi und Haltetöne geben. Der Weg zum stehenden Klang. Daraus könnte man am Ende wieder einzelne Akkordschnitte/Tonknackse ableiten. Oder Knacks-Unisoni.

Ob es möglich ist, die Direktheit des Instrumentalklangs zu brechen, ohne ihn ins Geräuschhafte oder ins Ultraleise zu verfremden. Tatsächlich hat der direkte Instrumentalklang ein Pathos, das in gewisser Weise nicht mehr brauchbar scheint. Dem eine gewisse Peinlichkeit anhaftet. Manchmal scheint es, dass ultrakonsonantes Material dieses Pathos vielleicht brechen könnte, möglicherweise einfach, weil es eine gewisse klangliche Normalität ausstrahlt. Dass Dissonanz das unzeitgemäße Pathos betonen oder sogar steigern würde. In der Elektronik extrem leicht, Direktheit zu brechen, weil sie in ihrer mechanischen Übermittlung von vornherein Inbegriff von Indirektheit ist. Gleichzeitig nichts leichter, als mittels Klangbearbeitung zusätzliche Aspekte von mehr oder weniger deutlicher Indirektheit einzuarbeiten. Insofern ist ein aufgenommenes oder verstärktes Instrument automatisch schon verfremdet. Vielleicht ist es gar nicht der zusätzliche Peng, der Verstärkung so erfolgreich macht, sondern tatsächlich dieses Betonen von Indirektheit, das dem aktuellen Selbstverständnis der Welt am besten entspricht. Trotzdem fände ich es natürlich nicht besonders interessant, dem einfach so nachzugeben. Man sollte schon einen triftigen Grund haben, diese Mittel anzuwenden, oder eben schauen, ob man ihre Konsequenzen nicht auch ohne direkte Übernahme der Mittel in der Instrumentalmusik realisieren kann.

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Time is the new drug.

Rein Gold, Stemann: Für mich mit das beste, was ich seit langem gesehen habe. Interessant aber auch die Kritiken: Zum Teil aberwitzig ignorant, wie die Unterstellung, dass die Schauspieler zu faul gewesen seien, ihre Texte auswendig zu lernen, und deswegen die Textbücher in der Hand behalten, wo doch offensichtlich ist, dass damit der Ort der Aufführung zwischen Text und Sprechen im Bewusstsein gehalten werden soll. Dann die Ignoranz gegenüber der intelligenten und feinsinnigen Musikauswahl und Bearbeitung, die als beliebig und dilettantisch abgetan wird. Das mangelnde Problembewusstsein der Beschreibung, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, dass ein Liebesduett zwischen einem Schauspieler und einer Opernsängerin eine angenehm spielerischer Hinweis auf Grundprobleme der klassischen Oper sein könnte. Insgesamt eine durchgehende Bewertung des Spielerischen als dilettantisch. Eine ziemlich interessante Gefahr der Überfeinerung bei Stemann, dass Kritiker und Publikum alles, was nicht mit voller Ernsthaftigkeit vorgetragen wird, für oberflächlich halten oder erst gar nicht wahrnehmen. Insgesamt offensichtlich, dass die Mehrzahl der klassischen Kritiker einfach will, dass sich nichts ändert. Die Oper soll einfach so bleiben, wie sie ist, das Mobiliar darf modifiziert, das Grundgerüst aber nicht in Frage gestellt werden. Was ja grundsätzlich als ein Option völlig in Ordnung ist, aber doch eben nicht als die einzige Möglichkeit, mit dem Repertoire umzugehen. Glaubt hier tatsächlich jemand, dass wir das klassische Opernrepertoire immer weiter in aller Ruhe abspulen können? Kann es wirklich sein, dass jeder Eingriff in die Partitur als Sakrileg aufgefasst wird? Gerade das Abspulen der bekannten Musik in immer gleicher Reihenfolge macht doch das Operntheater so entsetzlich ereignisarm. Das Theater schreit doch nach Grobheit, nach Überraschung, nach Risiko – zumindest als Alternative zum einfachen Repertoirebetrieb. Und ich habe eigentlich das Gefühl, dass auch das Personal froh ist, endlich einmal in der Gegenwart anzukommen, endlich einmal etwas machen zu dürfen, das sich gegenwärtig anfühlt, und nicht nur die alten Posen in neuen Gewändern wiederholt. Übrigens auch ein Problem von neuem Musiktheater: Dass die Grundüberzeugung, dass die Musik einen festgefügten Raum bilden muss, dem sich alle andere Komponenten unterzuordnen haben, von vornherein einen Massstab aufstellt, der mal besser, mal schlechter erfüllt, aber letztlich niemals in Frage gestellt wird. Offenbar sieht überhaupt niemand, dass diese Form von Theater kreuzbrav und totlangweilig ist. Lass uns doch mal Szene X neu illustrieren. Da könnte wir doch … Letztlich auch ein Ausdruck von Hass auf Intelligenz, weil man da nicht mehr so opernmäßig emotional mitgehen kann. Obwohl dadurch natürlich eine neue, feinere Emotionalität entstehen würde. Intelligenz wird nur goutiert, wenn sie sich selbst als solche vorführt: Das hat er aber wirklich sehr intelligent gemacht.

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Verzweiflung, offensichtlich.

Ein lauter Streicher-Klang, so kurz, dass man nicht sicher ist, ob er überhaupt da gewesen ist. Vielleicht einrahmen. Dynamik-Fehler/Abstimmungen.

Als ich noch. Uneigentlich. Nicht so persönlich-expressiv.

– Der Takt ist meine Liste!
– Oh nee, der wieder!
– Doch, das stimmt. Das ist die Wahrheit.

– Die gibt es, die –

If it’s not in the Schale, it doesn’t feel like Frühstück.

Nimmt seinen Abschied. Mit jedem Mal. Ein bisschen mehr. Am Ende ist man eigentlich schon gar nicht mehr da. Vielleicht.

It does make you think, doesn’t it? And I’m not talking about the last ten years.

Das Problem mit echten Tönen ist logischerweise, dass sie wirklich da sind. Lookalike. Soundalike. Not the point.

HiJ
JHi

HiC
CHi

Teppich: Übersetzung von Relief (Textil) in Plan (Foto). Eigenes Muster, weder Relief, noch Plan. Vielleicht Plan als Abbildung von Relief.

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hundekotgelb

alles arco, alles gestrichen: Kein Pizzicato, kein Battuto, kein Saltando. Das reine Streichgeräusch in allen denkbaren Varianten. Staccato, wenn überhaupt, nur als arco-Impuls.

Ist das jetzt wieder vorbei mit der Tonhöhe/Tondauern-Sprache? Nie mehr gemacht, später (Ton/Geräusch-Abstufungen). Plötzliches Wiedererwachen des Interesses, natürlich auch/vor allem wegen Entwurfsplanung Maurizio/Licht, wo das Geräusch Teil der ursprünglichen Idee war. Merkwürdig, dass man auf solche Sachen dann wieder zurückkommt, gerade wenn man nicht damit gerechnet hat.

Klangdifferenzierung als Prachtentfaltung

Insistierender und differenzierter Lärm: Moe

Sunset Blvd, Abzweigung vor Westwood, Jimmy Rodgers Park, Star Maps, Traumprotokolle.

Geräusche verdoppeln, um Tonhöhengehalt herauszufiltern. Quasi Anleitung zum Hören. Was gemeint ist. Was gemeint war. Ich wollte … ich … damit …

Einzelheiten, Details, Beobachtungen, Kleinstereignisse, in – was eigentlich? – gegossen. Völlig bizarr, dass man sich das alles merken kann. Wobei – eigentlich ja nicht merken, eher wird es eingeschrieben, mehr oder weniger willkürlich aufgezeichnet. Das Bild, der Text, der Ton ist dann da, ohne dass man etwas dafür getan hat – und ohne dass man ihn bewusst wieder aufgerufen hat.

im Grunde ein Wunder, dass die ganze Scheiße immer noch zusammenhält

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Sorry for your loss.

I don’t get it, but I accept it.

Müsste man auch mal fragen: Was echte Merkwürdigkeit in der Neuen Musik wäre. Nicht Skurrilität, sondern etwas, das einen wirklich erstaunen würde.

Maurizio: Wegnehmen, da WÄRE ein Akkord, aber da IST nur Rauschen. Regelmäßigkeit: Man weiß nach einiger Zeit, was wann kommen würde, aber es kommt eben nicht. Jedenfalls nicht immer. Abstufungen von Rauschen/Ton: Die eine Hälfte und die andere Hälfte. Tendenziell Rauschen/tendenziell Ton.

Abwürgen: Rauschen
Ganz abwürgen: Kurze Pause/Nichts.

Pale King: Geht wahrscheinlich auch darum, maximale Unvorhersehbarkeit an jedem beliebigen Punkt zu erreichen; dass man nie weiß, wie lang ein Paragraph sein wird, in was für einem Stil er geschrieben sein wird, welche Personen auftreten, welche Geschichte erzählt wird, aber sich eben auch nicht darauf einrichten kann, dass es jedesmal wechselt. So etwas wie ein perfektes Gleichgewicht zwischen Überraschung und Fortführung, um das elende Einlösen eines überschaubaren Ursprungsplans/Sprachstils/Erzählmodus, das es so oft unerträglich macht, einen Roman zu Ende zu lesen, ihm also beim Einlösen der selbstgestellten Aufgabe zu folgen, zu vermeiden. Nervt manchmal, ist aber wahrscheinlich auch formal klüger, weil nicht einfach nur brillant/intelligent, als es auf den ersten Blick aussieht.

Zeitbeschränkung als Selbstschutz: Erstaunlich angenehm

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What a year!

Was war DAS denn? Chaotischstes Jahr EVER. Auch poptechnisch insgesamt eher deprimierend. Einzige echte Überraschung für mich Feldman, Violin and Orchestra, Widmann, HR Sinfonieorchester, Pomarico: Hätte nicht gedacht, dass es jemandem gelingen würde, die Intensität und den Extremismus von Paul Zukofsky aufzubringen, ohne ihn zu imitieren. Auch wenn das Ergebnis im Detail sehr ähnlich ist, wirkt es nie wie bloßes Nachspielen. Lichtblick im Popbereich Zomby, With Love, die sonst offensichtlich niemand mochte. Glasklare Wut. Sonst viel gut, wenig toll. Schade. Bin nicht sicher, ob das die Mühe noch lohnt. Schon das ganze Jahr nicht. Sicher. Eher Qual als Erkenntnis.

hors concours:
Morton Feldman: Violin And Orchestra, Widmann, HR Sinfonieorchester, Pomarico

lang:
01. Zomby: With Love
02. Oneohtrix Point Never: R Plus Seven
03. Jai Paul: Leak
04. Four Tet: Beautiful Rewind
05. Julia Holter: Loud City Song
06. Deniro Farrar: The Patriarch
07. Prefab Sprout: Crimson/Red
08. Autre Ne Veut: Anxiety
09. Rashad Becker: Traditional Music Of Notional Species Vol. I
10. Bill Orcutt: A History Of Every One
11. The Flaming Lips: The Terror
12. James Ferraro: NYC, Hell 3:00 AM
13. Donato Dozzy: Plays Bee Mask
14. Riccardo Donoso: As Iron Sharpens Iron/One Verse Sharpens Another
15. Dawn Richard: Goldenheart
16. Daughn Gibson: Me Moan
17. KA: The Night’s Gambit
18. Toshiya Tsunoda: ο κόκκος της ανοιξης
19. Fear Of Men: Early Fragments
20. Stara Rzeka: Cień chmury nad ukrytym polem
21. Alan Licht: Four Years Older
22. William Basinski + Richard Chartrier: Aurira Liminalis
23. Steve Mason: Monkey Minds In The Devil’s Time
24. Gunnar Haslam: Memesiak
25. Ill Professor: Wire & Air
26. Conforce: Kinetic Image
27. The Black Dog: Tranklements
28. Kaeptn Peng & Die Tentakel Von Delphi: Expedition Ins O
29. IVVVO: Occult
30. The Knife: Shaking The Habitual
31. blackoutbeach: Blues Trip
32. Phork: Entertainment
33. John Grant: Pale Green Ghosts
34. Hatred Surge: Human Overdose
35. TM404: TM404
36. DJ Taye: Just Coolin’
37. Run The Jewels: Run The Jewels
38. Touché Amoré: Is Survived By
39. Virile Games: Wounded Laurel
40. Glasser: Interiors
41. CocoRosie: Tales Of A Grass Widow
42. Earl Sweatshirt: Doris
43. Cloud Boat: Book Of Hours
44. Taku Sugimoto & Moe Kamura: Live In Saritote
45. Xiu Xiu: Nina
46. The Field: Cupid’s Head
47. Lawrence: Films & Windows
48. Phoenix: Bankrupt!
49. Ceephax: Cro Magnox
50. Rome Fortune: Beautiful Pimp

kurz:
Actress: Grey Over Blue
Joey Anderson: Above The Cherry Moon
Julio Bashmore & Kowton: Mirror Song
Calculon: Feel EP
Covered In Sand: Heaven’s Gate Suicide
∆ ∆: Skyway
Aaron Dilloway: Songs About Jason
Walter Ego: Heaven EP
Evans: No Way Back EP
George Fitzgerald: Thinking Of You
Troy Gunner: Masks/The Valley
Graze: Graze EP
Jaw Jam: The Truth
Lakker: Deathmask EP
Moiré: Never Sleep
Anthony Naples: El Portal EP
OL: Cover/Vertical Race
DJ Rashad: Rollin’ EP
Gerry Read: Crave Enjoy A Day Out
Recondite/Julien H Mulder: Shift 003
Dawn Richard: Whiteout EP
Rolando: D & N’s EP
Trade: SHEWORKS005
Umbra: Abrasive
Zacarocha: Use Me EP

mixtape/compilation

AHNNU vs. D/P/I: SHE WAS NO TAME THING
Arca: &&&&&
Demdike Stare: The Weight Of Culture
Steve Hauschildt: S/H
Nguzunguzu: FADEMIX004
Prostitutes: Used Illusions Pt. I & II/Blowing Up The Workshop
Levon Vincent: Little White Earbuds Podcast 149
Walls: Ecstatic
Wanda Group: A SLAB ABOUT HOW ELSIE DIED AROUND A MONTH AGO
Western Tink: Mobbin No Sobbin Presents The Rise Of Tinkavelli

Das war doch FURCHTBAR, oder?
Ja, GRAUENHAFT.
Das kann man wohl sagen.
Na ja, ham wa wieder was erlebt.
Ja, ham wa wieder was erlebt.

Oder auch nicht. Erinnerung: Wenn man sich nicht damit beschäftigt, muss man sich auch nicht daran erinnern.

PS: Gerade nochmal angehört. Wenn ich ehrlich bin, ist James Ferraro, NYC, Hell 3:00 AM doch wirklich toll. Fand ich jedenfalls heute. Eindeutig zu schlecht platziert.

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allerdings/jedoch

Krieg 1: Lichtblitz: Licht a capella re-integrieren? Dann auf aktueller Ebene weiterführen. Neu: Streicherapparat erweitern. Streicher verdoppeln Chor, Bläser verdoppeln Streicher. Definitiv Schlagzeug/Klavier/Harfe dazu. Möglicherweise besser, als ich dachte. Viel.

Hallo, Prozess!
Hallo, Sebastian!

Stimmt, fehlt.

I don’t see
a fuckin’ thing

Chemnitz
Aue
Schnarrtanne

BL: Mechanische Variation

Mais
Bohnen
Kürbis

Irokesen sind schwindelfrei.

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Wrong

Bad Idea/False Thinking

Tonhöhen
Elemente
etc.
g
oder einfach so lassen?

WZ: Alles immer sofort erledigen.

Unterstreichen
Vereinfachen
Isolieren

Gewänder als Erzählmedium
Muster vs. Darstellung

Was macht eigentlich Uh Young Kim?

Orte: Organ of Corti/L.A.
Entscheidende Frage: Wie/wo wollen wir leben.

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Antisymmetrie

Ziemlich krass, was man nicht wahrnimmt, weil man zu wissen glaubt, dass es nicht sein kann. Es war immer so, also kann es jetzt nicht anders sein. Selbst bei offensichtlichen Problemen wird das, was man zu wissen glaubt, erst zuletzt – oder nie – überprüft. Macht ja auch grundsätzlich Sinn. Man kann nicht alles auf einmal überprüfen, also prüft man zuerst dort, wo die Lösung am wahrscheinlichsten scheint. Trotzdem irrsinnig, wie dadurch Offensichtliches übersehen wird. Wie weit man sich durch vermeintliches Wissen von der Realität entfernt.

Angst kann sehr real sein – und deine Welt verändern.

Man spricht erst darüber, wenn man das Gefühl hat, auf der sicheren Seite zu sein. Wenn es also vorbei ist.

and then it’s oh-ver

der sprichwörtliche Täter und der Tatort

Ist heute Freitag?
Nein, heute ist Mittwoch.
Ach so.

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Motette: Kontinuität mit Beulen.

Einzelne Szenen/Teile auscharakterisieren oder das gesamte Stück monolithisch behandeln? Melismen als Addition und Melismen als Division getrennt behandeln. Register. Artikulation.

Your question seems to imply that there is some necessity to use these means in this historical moment. And I think the possibility to think so alone might be reason enough not to use it, because there is nothing we should doubt more than a generally accepted opinion – like that you have to use these means nowadays, basically because they are there and are supposed to stand for some contemporaneity. But: If everybody does it anyway, why should you, too? It’s ridiculous to think that everybody has to follow the same path, just because the path is there and seems to be – at least in technological terms – the most recently invented. I even doubt the notion that it is able to stand in more than the most banal sense for contemporaneity or being up to date.

Leitartikel-Musik, Populismus: Läuft doch letztlich immer auf Adolf H. hinaus, oder?

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Pseudologie

Gelassenheit/Entspanntheit: auch nicht schlecht, besonders wenn man sich die ganzen verbiesterten Gesichter anschaut.

Überprüfbarkeit
Vergleichbarkeit
Machart
Suggestion

Den Programmtext einfach mitlaufen lassen. Nur: Dann musst du den wieder erklären.

Rausgeflogen: O.k., und was machen wir jetzt? Träum’ fuckin’ weiter!

Was Du Dir vorstellen kannst, und was Du Dir nicht vorstellen kannst. Etwas ganz einfaches, einfach nur Achtel. Ich fühle das halt nicht. Ich glaube nicht daran. Nur als Parodie.

but, you know, you never know

warum ist das gut, und warum will ich das nicht?

der macht das: DER macht DAS. Personen als Instrumente. Einerseits totale Beschränkung, es geht dann eben nur mit DIESER Person und keiner anderen, andererseits Feindifferenzierung aus Erfahrung, die sonst nicht möglich wäre. Der macht das nämlich, der macht immer das, deswegen kennt er sich dabei so gut aus. Er hat seine eigene Sprache entwickelt, die sich aber auch auf genau dies beschränkt. Hong Chulki.

Das Licht der Herrschaft/Herrlichkeit.

Die Scheinwerfer der Macht.

Interessant, was einem alles nicht gefällt. Und zwar gar nicht. Z.B.

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am Ende Unisono-Piepsen

Frisches Schwarzbrot merkwürdigerweise erfrischend – how the fuck come? Knusper, Feuchtigkeit, Elastizität, saurer, leicht fruchtiger Nachgeschmack – was noch?

Melodie und Begleitung kann ein tolles Konzept sein – vgl. Doo Wop. Warum funktioniert das da so verdammt gut? Vielleicht tatsächlich die extreme Einfachheit des Satzes, in der dann jede Mini-Abweichung ein Ereignis ist. Lustig, dass da auch das Klimper-Klavier wie ein exterritoriales Ereignis wirkt. Übrigens zum Teil tatsächlich wie Samples arrangiert: Ein bisschen Schlagzeug hier, ein bisschen Klavier da, ganz wenig Saxophon dort, bloß nicht zu viel wovon auch immer. Super Idee. Ziemlich professionell gedacht.

Hat eigentlich schon mal jemand drüber nachgedacht, wie Titel in der textlosen Popmusik funktionieren? Oder ob sie überhaupt funktionieren? Wenn es keinen konkreten Bezug gibt (z.B. Textsample), ist der Titel ja mindestens so arbiträr wie in der Neuen Musik. Ein ganz normaler Techno-Track mit revolutionärem Titel: Ich meine, ich verstehe schon, dass damit eine bestimmte Stimmung erzeugt wird, auch für den Produzenten selbst, aber, naja, das war doch schon mit Text schwierig, wie soll es denn dann ohne gehen?

Man könnte sagen, dass im Pop die Person des Produzenten enger mit dem Stück verbunden ist als in der Neuen Musik, dass sie mehr für das Stück, für die Haltung des Stücks steht, dass die kultivierte Anonymität vieler Elektronik-Produzenten gerade wieder eine persönliche Haltung ist, die zu Stück und Titel dazugehört, aber das ist ja letztlich auch nur eine Art Stimmungsbild, dessen konkreter Nutzen sehr begrenzt ist.

Letzter Versuch: Der Titel ist die Message des Stückes, das Stück wird geschrieben, um den Titel zu transportieren. Nicht undenkbar, vielleicht wirklich eine Art Gleichwertigkeit zwischen Titel und Stück, die sich gegenseitig rechtfertigen. Das müsste dann letztlich auch für Stücke gelten, die einfach nur durchnummeriert sind:  Unknown 001, #001-004. Der stärkste Ausdruck, der in diesem Zusammenhang mit einem Titel zu erzeugen war?

Lenin-Museum Bischkek: Als ob die Steinplatten nur abgelegt wären. Schöne Idee.

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Tonaler Drone

Lustig, dass Dauerintensität/Aufgeregtheit auch wahnsinnig nerven können. Man würde sich dann ein bisschen Strenge, ein bisschen Formalismus, irgendwas, was über den puren Einfallsreichtum hinausgeht, wünschen. Einfach mal leer lassen. Einfach mal echte Härte zeigen. Nicht dauernd zeigen, wie wahnsinnig brillant man ist. Da wirkt das traditionelle Material übrigens auch ziemlich klugscheißerisch/bescheidwisserisch.

Orchester: Frage wäre, warum das alles so gleich klingt, warum der resultierende Ausdruck auch immer so wahnsinnig ähnlich ist. Selbst wenn man ihn total überdehnt.

Oktaven und Mikrotöne. Lustig, dass letztere als direkte Abweichungen eigentlich immer weinerlich klingen. Kann man nicht mehr machen. Was müsste man denn tun, damit das Orchester nicht mehr wie Orchester klingt?

Alles, was zu viel ist, ist gut. Loving the too much.

Elektronik mit Schlagzeugakzent, Schlagzeug löst Elektronik aus, Elektronik löscht Schlagzeug aus.

Keine gute Idee: Videoarbeiten, die eigentlich Kurzfilme sind. Noch schlimmer: Videos, deren Storyline man zusammenfassen kann. Tatsächlich finde ich, dass Narrativität komplett gegen das Medium geht.

Gleiches Objekt, zwei leicht gegeneinander verschobene Perspektiven gleichzeitig. Schnitt/Naht in der Mitte.

Zwei Schirme, gleiches Objekt, gleiche Perspektive, zeitlich leicht gegeneinander verschoben.

Cluster in den Goldberg Variationen.

Interessanter, wenn man nicht weiß, ob überhaupt etwas passiert, als wenn dauernd etwas passiert.

Riesiger, kahler Bogen, durch dessen Ruine man in den dunkelblauen Nachthimmel starrt.

Blind: Liste von Zitaten ist Gedicht.

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Mühelosigkeit/Anstrengungslosigkeit

Noch mal zu Magie: Es erinnert ja ein bisschen an den Verbrecher, der immer wieder zum Tatort zurückkehrt, wenn ein Komponist, dessen Arbeit wie keine andere magische Momente abruft, immer wieder davon spricht, dass das magische Moment zerstört/vermieden werden muss. Ein normaler Instrumentalsatz hat nichts magisches, ein tonaler Satz letztlich auch nicht, ein Satz, der die Tonproduktion als Geräusch vorführt, aber eben doch. Auch das Ausstellen von tonalen Versatzstücken hat etwas magisches, als ob man sich mit den Köpfen der getöteten Gegner schmücken und dadurch seine eigenen Kräfte vermehren wollte. Nichts daran ist verwerflich, es ist nur das Gegenteil der offiziellen Verlautbarungen.

Sich seiner Schwäche schämen.
Sich seiner Fehler schämen.
Sich seines Pechs schämen.

Z.B. sich schämen, dass man sein Fahrrad nach Hause schieben muss – was natürlich kompletter Unsinn ist. Als ob wir vollständig unverletzbar und unangreifbar sein/scheinen wollten.

Rauschen
Knacksen
Schrapsen
Piepsen
Quietschen

Mikrophon

Irgendjemand muss irgendetwas spielen.

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Ausdrucken

Nicht zu schlau sein wollen. Stehen lassen.

Kaum sprichst Du es aus, ist es weg. Was war das noch mal? Was wollte ich damit sagen? Was war der verdammte Punkt? Strange: Bedeutung als Gefühl.

Ganz schön pathosselig/Welcome to Morricone-land. Und da dann auch ein bisschen dünn. Wird dann, ehrlich gesagt, wieder zum Effekt degradiert. Merkwürdigerweise gerade, wenn es gut gespielt ist. Weil es dann so durchsichtig ist. Offensichtlich. Deutlich. Man versteht es sofort. Trompeten 1-4 à 4.

Everybody knows everything. Stimmt nicht.

Auch gut: einfach Brummen (ER, Osaka). Warum nicht ein Stück schreiben, das so funktioniert?

Plattenrauschen/Knistern: Deutlich interessanter, wenn es aufgenommen ist (auch unbeabsichtigt), als wenn man sich wirklich damit herumschlagen muss.

Too much.
I like.
Yes.
I do.

Ich bin dafür da: Interessante Aussage. Vielleicht ist das wirklich so.

Wie der Schlaf sich herabsenkt. Tut er das? Schnee.

Being Beauteous: Anti/Gegen-Henze – gleiche Besetzung? Sopran, Harfe, 3 Bratschen, 3 Celli

Boris Charmatz
Xavier Le Roy
Laurent Chétouane

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Filed under Liveelektronik, Methode, Neue Musik, Theater

Wir machen das jetzt mal so.

Das gilt natürlich auch, und eigentlich noch mehr, für die anderen Textbänder: Perfekte Inszenierung von Magie.

Eher ein Meister im Einsatz von Magie (mehr als klassische Komponisten, bei denen das magische Moment viel mehr in die musikalische Gesamtkonstruktion eingebunden ist) als ein Zerstörer von Magie. Vielleicht – allenfalls – ein Isolierer, ein Vorführer von Magie. Aber ich habe eigentlich nicht das Gefühl, dass das wirklich im Vordergrund steht – dazu ist der Einsatz von magischen Elementen letztlich zu schamlos.

Das Vorführen und Nachspielen von körperlichen Extremzuständen ist ja letztlich auch nichts anderes als ein Abrufen von magischen Momenten, die sich direkt auf das Publikum übertragen sollen.

Ist das ständige Ich sagen nicht auch ein magischer Akt, der Versuch einer magischen Behauptung/Beschwörung?

Styropor-Chor: Nichts anderes als der völlig unverdeckte Einsatz eines magischen Moments. Und das könnte einen eben auch stören: Dass die Dramaturgie nicht nur durchschaubar, sondern offensichtlich auch planbar ist. So ein bisschen Hollywood im Schwabenland. Zauberkiste. Handgemachte CGI.

Will jetzt nicht darauf herumreiten, aber die ständige Suggestion, dass ein Klang einen anderen auslöst, insofern sie unmittelbar aufeinanderfolgen und der erste den zweiten anzustoßen scheint, ist ja auch nichts anderes als das Postulat einer magischen Verknüpfung der Ereignisse – die in Wirklichkeit nichts anderes miteinander zu tun haben, als dass sie aufeinander folgen. Also das Ursache-Wirkung Prinzip, das die gesamte Dramaturgie Lachenmanns prägt, als magisches Postulat.

Und DAS ist, wenn man ehrlich ist, ein bisschen zu einfach als Trick. Und das Fiese – und auch ein bisschen Unlautere, weil man seinen Partner, hier das Publikum, ja wirklich über den Tisch zieht – an Tricks ist, dass sie eigentlich immer funktionieren. Man muss schon sehr viel Misstrauen auf sich ziehen, damit sie nicht mehr funktionsfähig sind.

Auch das lange Stehenlassen einzelner Klänge und das atmosphärische Ausinstrumentieren sind in einem dramaturgisch-expressiven Zusammenhang nichts anderes als absichtlich hergestellte Momente magischen Ausdrucks.

Sopran-Unisoni: Damit kann ja nur die Magie der Oper gemeint sein.

Der Sho-Teil und auch der abschließende Zwei-Piano-Teil als totales Vertrauen in die Magie der fremden/merkwürdigen Instrumentalklänge. Die Leistung besteht hier eher darin, sich der Magie der Klänge voll anzuvertrauen, als sie zu brechen. Und klar, darin liegt natürlich auch eine grundsätzliche ästhetische Gefahr, einerseits in der Tendenz zu schön Arrangierten, die allerdings immer gebrochen wird, andererseits in dem gewaltsamen Willen zur Überwältigung, der mindestens für die späteren Werke Lachenmanns auf offensichtliche Weise charakteristisch ist. Manchmal so obsessiv, dass man den Eindruck hat, er muss sich selbst von irgendetwas überzeugen. Dass er dies ist, dass er jenes nicht ist.

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Filed under Neue Musik, Oper

Magie

Bricht Lachenmann Magie – oder nutzt er sie nicht eher besonders geschickt aus? Anfang Schwefelhölzer ist doch eigentlich nichts anderes als atmosphärische Zauberei.

Aufteilung von Textsilben/Phonemen auf verschiedene Stimmen: Funktioniert eigentlich gar nicht, weil die einzelnen Stimmen viel zu individuell bleiben, um sich wirklich in ein homogenes Ganzes einzupassen. Und wenn die Anzahl der Stimmen so groß ist, dass sich keine Einzelstimmen mehr unterscheiden lassen, verschwimmt die Artikulation so stark, dass es unmöglich ist, einen atomisierten Text wieder zusammenzusetzen. Und es klingt eben auch überhaupt nicht, als ob es so gemeint wäre. Interessantes Problem. Ein bisschen vielleicht doch eine Kopfgeburt, eine Hilfestellung, die sich um das eigentliche Problem herumdrückt.

Auch das falsche Zusammensetzen des Texten in erkennbaren, aber leicht durcheinander gemischten Einzelsilben und Lauten bedient doch eigentlich eine ganz einfache Form von Magie: Die Lust am Nachvollziehen, am Erraten, am Wiederherstellen von Ordnung.

Selbst die beiden Soprane müssen zwar Aktionen ausführen, die auf der Opernbühne nicht alltäglich sind, werden aber in ihrem Nimbus als Opernstimmen nicht nur nicht angetastet, sondern eigentlich sogar verstärkt, weil nur die Essenz, die hohen, puren, expressiven Töne als Ausdruck zugelassen werden.

Insofern könnte man sagen, dass Lachenmann nicht etwa Magie zerstört, sondern im Gegenteil wie kein anderer Komponist (außer vielleicht Sciarrino auf ganz andere Art) Magie benutzt, um seine Musik zu definieren. Er scheut dabei auch nicht vor einfachen Effekten und direkter Ansprache zurück.

Das gilt letztlich auch für das Ensslin-Zuspiel: Man könnte zwar sagen, dass die bruchstückhafte Einspielung den Text musikalisiert und die offenbar nicht exakt gesteuerten Ausschnitte eine besondere Spannung hervorbringen, man könnte aber auch sagen, dass hier nur noch der Sound der Revolution nachgespielt wird, während der Sinn längst verschwunden ist – ein bisschen wie ein Che Guevara-T-Shirt: Es ist ja nicht so, dass das nichts transportiert – aber es ist letztlich nur noch die Haltung, die hier evoziert wird, während der Inhalt allenfalls als Provokation eine Rolle spielt.

Abgesehen davon ist es natürlich eine super Idee, Text unhörbar durchlaufen zu lassen und nur ab und zu kurz anzuspielen. Funktioniert auch besser als in Accanto mit Mozart, weil Text halt in jedem kleinsten Fragment auch dann inhaltsbezogen ist, wenn man absolut nichts versteht, und daher das abreißen viel wirkungsvoller ist als mit einem Mozartband, das ohnehin nur als Hintergrund durchläuft.

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Filed under Neue Musik, Oper

Dove sta memoria

Agustí Torelló Mata
Reserva 2008

Jaume Codorniu
JC 019377

Jungeun Cho

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Filed under Neue Musik

Schönheit

Unversehrtheit

Liquidation

Beobachten statt genießen: Spielverderberei

Dissonanz: Widerspruch

Nachsommer

Ensslin: Erhängte zum Frühstück

Präsenz der Bilder

Der Künstler hat gar nichts zu sagen, er hat etwas zu machen.

Schönheit ist der Anfang des Schrecklichen.

Schönheit ist die Möglichkeit des Endes des Schreckens.

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Filed under Neue Musik

Selbstporträt als Thomas Middelhoff

Ives: Das Überflüssige, Stehengelassene, Sinnlose, Übriggebliebene. Bestimmt nicht so gemeint, aber superinteressant. Der völlig irrsinnige Aufwand für fast nichts. Das Ausbluten, Auseinanderfallen, Wegbrechen der einzelnen Sätze. Die Werkspuren, die natürlich gesetzt sein müssen, obwohl sie völlig widersinnig klingen. Es kann nicht so gemeint sein, es muss aber doch auf igendeiner Ebene gesehen und stehengelassen worden sein, weil man es unmöglich übersehen kann. Denn es ist natürlich GEMACHT. Die Noten fallen ja nicht von selbst aufs Papier.

überaus

gefährdet

JH=RG

ist doch klar, oder?
sieht das wirklich niemand?
oder will da niemand drüber sprechen?

und plötzlich bist du vor lauter dies hier und jenes dort überhaupt nicht mehr da

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Filed under Literatur, Neue Musik

Vaporwave/DISTROID

Walden/Mekkas: Voyeurismus, aber eben auch echtes Leben, daher wirklich interessant. Dokumentationsfähigkeit: Wesentliche Eigenschaft des Mediums perfekt genutzt, gerade auch in der Nähe zum Amateurfilm. Unangestrengte Narration: Mehr als nur Avantgardefilm.

Guerin: The environment and the figure. The figure comes with the image, the environment with the sound. (…) To search those simple, even tiny, motifs that reveal themselves as complex only through cinema.

fühlt sich plötzlich alles ganz anders an – nicht unbedingt besser, aber mehr nach Arbeit

falls das nicht ohnehin klar ist: Neue Musik hat natürlich auch die Aufgabe, Klassische Musik zu kritisieren, das Zopfige, Bräsige, Bequeme, das einen so oft dazu bringt, Aufnahmen nach einem kurzen Moment wieder auszustellen, wegzunehmen, einen anderen, weniger reaktionären Klang zu etablieren. Auch in dieser Hinsicht ist es also völlig kontraproduktiv, wenn sich Neue Musik an Klassische Musik, an den klassischen Orchesterapparat und an die Hörgewohnheiten des Klassik-Publikums anpasst. Ist ja übrigens auch klar, dass die Alte Musik-Bewegung, die absurderweise gerade von den Neue Musik-Protagonisten so oft – und meistens völlig zu Unrecht – gescholten wird, ganz viel geholfen hat, das Klangbild der Klassischen Musik zu entfetten, so dass man irgendwann dann auch die Musik wieder erkennen kann. Eindeutig reaktionäres Verhalten der Neue Musik-Protagonisten, genau wie aller anderen Reaktionäre: Wir haben aber gelernt, dass …

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Filed under Film, Klassik, Neue Musik

Zielfrei arbeiten.

Achtung:

ABSOLUTES IRONIE-VERBOT

Keyboard, Streichtrio, Saxophon?

Eins in Auftakt umdeuten/Takt verlängern? Würde bedeuten, dass man den Puls nicht verliert, aber den Schlag versetzt. Tatsächlich wirkt der Auftakt im festen Metrum ziemlich erzwungen. Oder Metrum immer mit zusätzlichen Silben verlängern? Vielleicht ist die Idee eines regelmäßigen Metrums grundsätzlich falsch?

Interessant, wie Ideen, an die man ein, zwei Tage glaubt, sofort wieder zerstäubt werden, wenn man sie wirklich auf die Probe stellt, schaut, ob sie der Realität der Ausarbeitung standhalten. Manchmal kommt etwas Neues, Anderes dabei heraus, manchmal gar nichts.

kurz/lang
schnell/langsam

nicht nach Gefühl entscheiden

INNERHALB des Tempos nochmal schnell/langsam

32tel sehr schnell
16tel schnell
8tel mittel schnell
4tel mittel langsam
2tel langsam
1tel sehr langsam

BF
SS
CC
EM
GA
BP
MS
IX

It’s a fuckin’ showdown.

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Filed under Material, Neue Musik, Oper, Projekte, Stücke, Text

non-consequentiality

danger
money
food
stars
usefulness

supply + demand + magic

Tonale Musik: Dass Nachvollziehbarkeit ein wesentlicher Vorteil tonaler Musik gegenüber atonaler Musik sein soll, ist wahrscheinlich Unsinn. In Wirklichkeit klingt sie einfach angenehmer als atonale Musik. Allerdings ist es richtig, dass Fehler in tonaler Musik sofort erkannt, also nachvollzogen werden können, in atonaler Musik meistens nicht.

REDE
TRAKTAT
GESANG

oder hatten wir das schon?

Parameter: Grad der Variation
Wie jetzt – soll alles gleich bleiben, aber alles anders werden? Wie denn das jetzt?
Na, ist doch klar – was hast Du denn gedacht?

Stimme durch Wand: Rhythmus und Bewegung

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Alles versetzen

Oresteia: gute Idee, ein Instrument (Solocello) die Choraltöne abnehmen zu lassen. Begleitung und eigenständige Gestik, Gegensatz zwischen vokaler und instrumentaler Linie.

Monteverdi-Fanfare als mit sich selbst identische Markierung

Regelmäßiger Ansatz, verschieden lange Pausen je nach Länge des Satzes/der Phrase

Two Lovers: Wie die Entscheidungen fallen. Und man kann nicht davon ausgehen, dass der Schluss falsch ist, dass der Protagonist sich einfach nur in sein Schicksal fügt. Vielleicht ist er ja wirklich glücklich. Selbst ein so offensichtlicher Betrug wie das Weiterverwenden des Rings muss nicht unbedingt ein Betrug an der Befindlichkeit sein.

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Filed under Film, Klassik, Neue Musik, Oper

Erniedrigte

Erniedrigte

Ad Pop vs. Klassik: Könnte man vielleicht sagen, dass Pop in Bezug auf Realität und Realitätsdarstellung überlegen ist, und Klassik in Bezug auf Musik als Musik? Und das wäre nicht unbedingt eine Schwäche, ist aber dennoch etwas, worunter alle klassischen Komponisten leiden, weswegen sie verzweifelt versuchen, Realität in ihre Arbeit hereinzuholen, in welcher Form auch immer. Daher eigentlich die ständige Forderung nach politischer Musik: Weil sie scheitern muss, weil es sie nicht geben kann, weil sie im Medium nicht vorgesehen ist. Daher die ständige Selbstkreuzigung der klassischen Musiker einschließlich myself: Wir wollen – natürlich – etwas haben, was wir nicht kriegen können, wie jedes intelligente Kind.

Und die einzige realistische Hoffnung: Dass sich an dieser Selbstquälerei unsere Arbeit schult.

Noch eine Frage dazu: War das immer so verteilt, oder war populäre Musik früher vielleicht auch tendenziell apolitisch? Bedeutet die Erfindung des Pop vielleicht die Erfindung der politischen Musik wie wir sie kennen? Und ich würde vermutlich sagen, dass auch Pop-Pop politischer ist als klassische Musik, weil er die Realität abbildet, ob er will oder nicht (und gerade, wenn er versucht, sie zu verleugnen). Deswegen ist es völlig bescheuert, sich darüber lustig zu machen.

Natürlich will jeder politisch sein, weil jeder wichtig sein will, jeder will etwas bedeuten in der Welt. Allein das sollte Grund genug sein, nicht von sich selbst zu behaupten, dass man politische Musik schreibt. Was für ein Selbstbetrug: Was wir tun ist SO bedeutungsvoll! Forget it. It doesn‘t even EXIST in the world. Und egal, wieviel Eitelkeit du hineinlegst, es wird nicht bedeutender werden.

Vorsicht

Kaktus

Angelsteg

Einfach irgendwas

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Filed under Klassik, Neue Musik, Politik, Pop

Auswahlprozess

Kann Vertikalität bei Textvertonung also nur in die Musik gelegt werden? Könnte man bei der Verarbeitung von Soundfiles die Vereinzelung der Wörter auf den musikalischen Satz übertragen und den eigentlichen Text vordergründig intakt lassen? Einzelne Wörter, Reizwörter oder auch ganz beliebige Wörter, aus dem Text herausnehmen, diese wiederholen und verarbeiten, und darauf dann den gesamten linearen Text, der diese Wörter enthält, aber nicht aus ihnen besteht, legen: Dadurch würde zumindest so etwas wie eine echte kompositorische Arbeit entstehen.

Man könnte sich dann endlich einmal überlegen, wie sich Musik und Text über die grundsätzlich gegebene technische Bezogenheit hinaus zueinander verhalten sollen, und müsste nicht einfach nur die linearen Vorgaben des Textes akzeptieren und nachfahren. Die Reizworte wären gewissermaßen die Motive, die der Text in die Musik trägt, und würden zur Grundlage der kompositorischen Arbeit.

Czernowin: Zaide/Adama

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Composer et écouter

Cage: Zeit-Aspekt als Seriositäts-Moment.

Reisen: Totale Panik, kaum hast du den Fuß über die Schwelle gesetzt völlig entspannt. Ziemlich neurotisch, würde ich mal sagen.

Du stirbst, und kein einziges Problem ist gelöst. Alles geht weiter. Aber du wirst nie erfahren, wie es weitergegangen ist, logischerweise.

Entzifferung: Spiegel = Ring
Alte Frauen im Hintergrund

Dream of Weltkarte

Die Hunde werden größer.

Text als Binnenstruktur/Gliederung/Spielanweisung

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Filed under Kunst, Neue Musik, Oper

Tibetische Grunzochsen

Durée
Lenteur
Nuance

Bas volume

Pas de big statement
Rien sophistiqué
Rien intelectuelle

Tous les processus sont contenu dans le titre.

(ER)

Chris Sharma: Das Verlangen, eine Route zu schaffen, kann genauso gut zu dem werden, was uns den Erfolg verwehrt.

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Schatten Schatten Schatten

Das Gespräch mit Toten.

Geräusch/Krach: Gewalt. Was macht das Geräusch zum Krach? Wohl vor allem die Lautstärke. Ab einem bestimmten Punkt kann sie nur unangenehm sein, also Krach. Ist das so? Nicht jedes Geräusch kann Krach werden, oder? Eingeschriebene Aggressivität, die sich aber bei niedriger Lautstärke versteckt. Kann Klang zu Krach werden? Oder wird er vorher zu Geräusch? Wenn die Lautstärke in die Verzerrung gehen muss, um im Krach zu landen, wäre Krach wohl immer Geräusch. Akustischer, nicht verstärkter Krach nur unter extremen Bedingungen vorstellbar: Große Maschinen, große Besetzungen, etc. Im musikalischen Bereich hat er aber auch dann noch etwas hübsches, fast niedliches. Nachteil von elektronischem Krach: Leichte Herstellbarkeit und Abrufbarkeit, der Aufwand ist ein wenig zu klein für die Wirkung. Bei akustischen Instrumenten genau das Gegenteil: Der Aufwand ist riesig, und es wird doch kein echter Krach. Übrigens könnte die Dauer auch eine Rolle spielen, ab welchem Punkt man etwas als Krach empfindet: Die Insistenz der Lautstärke. Letztlich Harmlosigkeit auf beiden Seiten. Der Tinnitus ist da kein Argument: Jeder Idiot kann dir das Trommelfell durchschießen.

Dass das Problem eben nicht eine stürmische Bewegung in den Abgrund, sondern ein ewiges Verharren wäre. Irgendsowas.

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GOT LOST

Komponieren heißt nicht, etwas zusammenzusetzen, sondern etwas in einen Zusammenhang zubringen.

Ganz klar symphonischer Zusammenhang, Verschmelzung von Stimme und Klavier in einem Feld. Verschmelzung von drei Texten in einem Feld. Text blitzt durch, wenn man ihn kennt, an einigen Stellen sogar ziemlich deutlich, an anderen gar nicht. Die Rufgeste kann man sicherlich nur mit Erklärung als Textausdeutung verstehen. Es stimmt aber tatsächlich, dass die Texte bei näherem Hinsehen eine starke Präsenz haben, obwohl man erst enttäuscht ist, dass sie letztlich vermieden worden sind.

Frage wäre sicherlich, warum ein Stück, dass auf der offensichtlichen Ebene nicht funktioniert, letztlich doch überzeugt. Vielleicht, weil es absolut ernst ist. Weil das Wort Gefahr am Ende einschließlich Klavierstretta tatsächlich als Aussage funktioniert. Als ob das ganze Brimborium davor nur daraufhin komponiert wäre.

Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, warum es nötig ist, Texte so ineinander zu verzahnen, dass man sie nicht mehr verstehen kann, wenn man sie nicht in ihren Bestandteilen auswendig gelernt hat. Klar könnte man sagen, dass die Detailarbeit auf allen Ebenen, also auch der Textebene, gleichwertig sein muss, auf der anderen Seite ist Text eindeutig kein musikalisches Material und kann nur als solches behandelt werden, indem man ihn als Text zerstört.

Ein Mann mit einem riesigen Geschwulst auf der rechten Backe steht in der Konditorei vor dem Eistresen, genau an der Stelle, die zur Toilette führt. Ich bleibe stehen und warte darauf, dass er mich vorbei lässt. Er rührt sich nicht und schaut mich fragend an. – Hilfe!

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Gedichtaufsagen

Man träumt, man geht in Selbstgestaltung
Aus Selbstentfaltung der Vernunft;
Man träumte tief; die falsche Schaltung:
Das Selbst ist Trick, der Geist ist Zunft.

Sprich:
Gott ist Einer,
Ein ewig reiner,
Hat nicht gezeugt und ihn gezeugt hat keiner
Und nicht ihm gleich ist einer.

Und wenn der Herbst die Lilien bricht,
Denk und weine, so zunicht
Ist worden unsere Liebe.

Wenn erst die Rosen verrinnen
aus Vasen oder vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen,
fallen die Tränen auch.

I don‘t know and I don‘t care. Few things we remember, but some. Well, after all, not that few.

Plötzlich fiel mir alles wieder ein.

Tuba: Sorry to be a Spielverderber, aber macht es wirklich Sinn, ein Instrument zu bauen mit ich weiß nicht wieviel Metern Rohrlänge, um dann zu demonstrieren, dass man damit auch hohes Rauschen erzeugen kann? Ist wahrscheinlich ein spießiges Argument, aber irgendwo ist da doch ein Problem, oder? Und wenn es nur die Nerdigkeit des Unterfangens wäre. Und ich sage nicht, dass das Ergebnis als solches nicht in sich überzeugend wäre. By the way, schöne Bässe.

Schatten auf Schatten auf Schatten: Keine schlechte Idee (Zumthor). S. Maurizio/Licht

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101

it opens with a ragged burst of high, loud sound from the brass and all of the woodwinds except the flutes and clarinets

at the same time the sound of strings playing col legno and mezzo-piano begins

now and then it is accompanied by pianissimo events from the flutes and clarinets that one is not always sure he has actually heard

other percussion events take place sporadically:

two soft timpani rolls
seven angklung events
four low contrabass marimba events
twelve bowed piano events
and a single whirring bullroarer intensified sometimes by one, two or three other bullroarers joining in

towards the end, but not at the exact end, the brass and all the woodwinds except the flutes and clarinets are heard fortissimo and in their highest range, a second and last time, falling apart, so to speak, rather than holding together as a group

the strings, flutes and clarinets and the percussion continue, and then after a minute or so stop playing, each at his own time

throughout there is another kind of music being played on the piano and on the harp. it is mezzoforte, more articulate. it stands out like a duet or two solos, and though we hear them, we hear everything else, too, and not in the background

Klassische Orchesteraufteilung, insofern intelligente, aber auch konventionelle Entscheidung. Interessanterweise scheint es nicht wirklich zu funktionieren: Es funktioniert weder als unmittelbares Ereignis, trotz des Bemühens um Lebendigkeit und Unvorsehbarkeit im Detail, dafür sind die tatsächlichen Entscheidungen zu uninteressant, noch als Bild eines Ereignisses, als Abstraktion eines Ereignisses, was es ja auch sein könnte, dafür ist die unmittelbare Präsenz des Geschehens wiederum zu stark. Interessant natürlich die klare Dramaturgie in der Zeit, die durch die Detailverschiebungen zwar ein wenig aufgeweicht wird, aber dennoch über das statische Bild eines klassischen Cage-Stückes eindeutig hinausgeht.

NO LIMITS NO CONTROL

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Augen

what if we wouldn‘t miss anything if all this was gone?

Im Prinzip ja alles ganz schön zerstückelt, übrigens: Einen Film anfangen, etwas anderes machen, am nächsten Tag weiterschauen, wieder eine Pause machen, eine kleine Reise unternehmen, und erst, wenn man wieder zurück ist, den Film zu Ende sehen. Könnte ja auch sein, dass das gar nicht geht, dass unser Hirn das nicht mitmacht, ist aber offensichtlich nicht so, sondern völlig selbstverständlich. Beim Buch geht es gar nicht anders, bei Film oder Musik kommt es einem doch komisch vor, wahrscheinlich, weil sie ursprünglich Aufführ-, Vorführmedien waren, und erst seit VHS und DVD privat gelesen werden können. Wäre aber lustig, wenn es nicht ginge, wenn das Gehirn streiken würde.

Merkwürdig, wie einen auch Kürzestreisen in eine neue Situation bringen: Du kommst nach Hause, und nichts ist so, wie Du es verlassen hast. Ein bisschen übertrieben: Vor allem ist der Aufräumzwang verflogen, anscheinend.

Staud: lang/kurz, schnell/langsam

Ist doch gerade toll, dass die Stadt keinen Kern hat!

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Vermittlungswut

Der Freundlichkeits- und Nettheits-Druck ist extrem gestiegen, im Grunde wird erwartet, das sich jeder mustergültig benimmt und nur insoweit auffällt, als es vermittelbar ist, also verkauft werden kann. Ist ja relativ offensichtlich, dass Facebook etc. bei aller Betonung des Einzelnen ziemlich genau in die gleiche Bresche, nämlich Normalisierung, Konformität schlägt. Man fragt sich ein bisschen, wer nun eigentlich der Freak ist, diejenigen, die rausfallen, oder vielleicht doch Milliarden durchgedrehter Konformisten? Ganz klar, dass der Vermittlungszwang in den Künsten einen ganz ähnlichen Weg einschlägt: Die Vermittlung ist wichtiger geworden als der Gegenstand, der auf die Vermittlung hin konzipiert werden muss. Olafur Eliasson als Extrembeispiel, quasi Vermittlungsfabrik, Firma für Vermittlungskonzepte. Finde ich übrigens alles nicht schlimm, nur falsch – Irrtum – und wahrscheinlich angstgesteuert. Wäre doch auch toll, wenn niemand kommen würde. Aber das scheint im Moment nicht zu gehen.

Wenn wir mit dem Vermitteln durch sind, werden wir alle weinen und bereuen – was wollten wir eigentlich noch mal vermitteln? Unsinn.

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100 Jahre Aufräumen oder so

Silence is hell – is to be avoided. Try to cover every silence you feel, every sound you hear, by something more intense, or louder than you would have conceived before. Apply amplification to coverage.

MBRSI: negativ/positiv, Gegenstand/Nichtgegenstand, Dauer negativ Dn, Dauer positiv Dp, Dn = 0: Dp schließen unmittelbar aneinander an, je häufiger Dn = 0 desto länger die Phrasen bzw. desto mehr Dp schließen unmittelbar aneinander an. Dp wie Dn leere Dauer, die mit beliebigem Gegenstand gefüllt werden kann, aber eben tatsächlich gefüllt: Gegenstand wird nicht innerhalb Dp gesetzt, sondern füllt Dp komplett aus. Metrum fällt da erst mal weg, bzw. stellt gleichmäßiges Raster dar oder wird im Nachhinein an Struktur angepasst. Irgendeine Form der Synchronisations-Steuerung müsste es allerdings zusätzlich geben um Passagen ohne Synchronisation, mit annähernder Synchronisation und mit exakter Synchronisation voneinander abzusetzen, also eine Graduierung der Synchronisation zu erreichen. Ähnliches könnte man sich für Tonhöhen und gestisches Material ebenfalls vorstellen. Möglich wäre auch eine Grundreihe + Ableitungen. Nicht zu vergessen die Horizontale. Zeit würde dann wieder zum Kontinuum, würde Zusammengesetztheit verlieren.

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Einsamkeit und Todessehnsucht

Die Verweigerung verweigern: Geht leider nicht ganz auf, klingt gut, klingt lustig, endet aber da, wo alles angefangen hat, nämlich in der Banalität. Der Markt ist absolut positivistisch und schluckt jede Dialektik. Also: Von wegen tolle Provokation – im Effekt läuft die Verweigerung der Verweigerung auf eine banale Anbiederung hinaus. Was man sonnenklar am Publikum erkennen kann. Nicht dass das wirklich ein Thema wäre – kam mir nur so unter, beim Zeitschriften wegwerfen.

Noch so ein Problem, das nur begrenzt eines ist, wo man aber trotzdem immer wieder mal ein bisschen drüber nachdenken kann: Komplex notierte Musik, die einfach klingt, weil sie letztlich in der Aufführung doch in die banale Geste umschlägt. Einfache Sachverhalte, kompliziert dargestellt. Inwieweit hilft die Notation dennoch dem Stück? Inwieweit ist die Notation das eigentliche Stück und jede Aufführung eine traurige Enttäuschung? Würde man in der Aufführung einen Unterschied hören, wenn das Stück einfacher notiert wäre?

Das heißt nicht, dass diese Fragen schon Argumente gegen eine hyperkomplexe Notation wären: Alles, was dem Stück hilft, ist o.k.

Welchen Wert hat Notation für sich betrachtet, ohne Rücksicht auf die Aufführung?

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Humor

Geht es eigentlich nur mir so, dass ich Dinge, die im allgemeinen als humorvoll bzeichnet werden, überhaupt nicht lustig finde? Wenn von Stockhausens köstlich hurmorvollen Instrumentenschmatzern berichtet wird, dreht sich mir eher der Magen um als dass ich lachen muss. Ist nicht das, was dort als humorvoll bezeichet wird, eine ganz widerliche Form von Geschmacklosigkeit und billigstem Witz?

Ich denke ja eigentlich, dass man, wenn man wirklich witzig sein will, offensichtliche Witze um jeden Preis vermeiden muss. Mit anderen Worten: Alles, was offensichtlich ein Witz sein soll, kann nicht witzig sein. Echte Witze müssen so gebaut sind, dass man nicht entscheiden kann, ob sie witzig oder ernst gemeint sind. Sozusagen Pokerface-Humor. Wobei ich ehrlich gesagt noch nicht einmal sicher bin, ob Stockhausens Schmatzer wirklich lustig sein sollen – wenn doch, wäre das allerdings tatsächlich ziemlich schlimm.

Z.B. sind manche Marthaler-Sachen wahrscheinlich deswegen wirklich witzig, weil sie so tun, als ob alles ganz normal wäre, weil sie keinerlei Zeichen geben, dass etwas witzig gemeint sein könnte, weder während der Vorstellung, noch danach. Wie furchtbar wäre es, wenn man die Marthaler-Komik als Witz erzählt würde!

Z.B. Imamura, Profound Desires of the Gods: Extrem komisch, weil hundert Prozent ernst genommen, alles, was wir sehen, ist völlig absurd, aber total realistisch, und läuft wie eine klassische Tragödie unschuldig ins Verderben. Übrigens wird das Gute, das den Personen geschieht, immer unterspielt und nie direkt ausgesprochen, es sei denn, es müsste innerhalb der Geschichte angesprochen werden. Guter Witz wäre also: Unterspielen und nie offen aussprechen. Im Vagen halten. Vgl. Ironie.

Natürlich können auch total bescheuerte, völlig überspielte Witze toll sein, ist ja klar. Am liebsten beides zusammen, und ein bisschen ist das bei Imamura auch so.

Schwere, große, bunte Metall-Ölfässer hoch oben auf dem schmalen Sims eines überdimensionalen Tankstellendachs im strahlenden Sonnenschein. Ich friere.

Fremdes Material Oper

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Mitschrift

Schutzlosigkeit als Provokation

Absolut verständlich – nicht Einverständnis.

Heiter

Michael von Biel

Suspended

Schönberg: Der alte magische Raum.

Ein Orchester ist an sich schon ein magisches Medium.

Schauen Sie, wie der Geist alles beherrscht (Nono).

Beobachten
Hören
Verstehen

Nicht gleich eine Meinung haben

Orgel

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let‘s face it

Im Prinzip ist halt immer Ausnahmezustand. You wanna relax? Just die!

Carsten: Komplexität als grundsätzlich positiver Wert, tatsächlich würde mir nichts anderes einfallen, was ich so absolut setzen würde. Logischerweise kann Komplexität dann nicht einfach nur Viel bedeuten, sondern die Fähigkeit, viel oder wenig, kompliziertes oder einfaches Material mit Bedeutung aufzuladen. Das würde für mich eigentlich für alle Bereiche gelten, einschließlich Essen, Trinken, Kleidung etc. Klar ist auch, dass etwas Einfaches deutlich komplexer als etwas Kompliziertes sein kann, und dass das Einfache vermutlich durch das Absetzen von Kompliziertheit seine Bedeutung, also seine Komplexität erhält. Es dürfte schwierig sein, das Einfache an sich, ohne Gegensatz zum Komplizierten, als komplex zu denken.

Feldman z.B. ist nicht einfach, bzw. nur auf der Oberfläche, technisch aber betont kompliziert. Hier könnte man sagen, dass die Komplexität intern, nämlich im Gegensatz zwischen einfacher Oberfläche und komplizierter Struktur erzeugt wird. Für den letzten Feldman ab 1984 gilt das allerdings nicht: Der ist polemisch, und zwar gegen sich selbst, gegen die unmittelbar vorausgegangenen Arbeiten. Gerade weil diese Arbeiten so perfekt sind, muss er sie zerstören, um überhaupt weiterarbeiten zu können. Der Wendepunkt liegt exakt zwischen Crippled Symmetry und For Philip Guston. Lustig, dass das niemand verstehen will: Nichts ist offensichtlicher. 1984 ist das Jahr der großen Vortragsreisen. Vielleicht hat das zum inneren Abschied geführt. Oder es war einfach der gigantische Erfolg der vorausgegangenen Arbeiten, der ihn zum Rückzug in weniger zugängliches Gelände zwang.

Das alles bedeutet ziemlich klar, dass Komplexität (und irgendwie reden wir hier über Schönheit) historisch ist, und zwar nicht nur in dem banalen Sinn, dass sich Geschmack und Zeitgeist verändern, sondern auch in dem viel wesentlicheren, aber auch offensichtlichen Sinn, dass bestimmte Formen von Komplexität nur im historischen Zusammenhang, im Wissen, wogegegen sie sich gewendet und was sie abgelöst haben, gelesen werden können. Gleichzeitig würde ich vermuten, dass etwas von dieser historischen Spannung im Gegenstand erhalten bleibt, auch dann, wenn der Zusammenhang nicht mehr präsent ist, aber das ist vielleicht Mystizismus. Die besten Arbeiten, wie z.B. eben klassischer Feldman, organisieren ihre komplexe Bedeutung aber intern und bleiben dadurch auch abgelöst vom historischen Zusammenhang lesbar.

Notizen müssen immer sofort zu Ende geführt werden, es macht keinen Sinn, erst Stichworte aufzuschreiben und später den Gedanken ausführen zu wollen. Als ob man einen toten Gedanken wiederbeleben könnte. Nachträglich nur Politur, nicht Ausführung möglich. Insofern herrscht hier ganz klar der Geist der Schnelligkeit: Sofort aufschreiben, schnell niederschreiben, bevor das Interesse verfliegt.

Alles arbeitet weiter.

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digitale Spuren

wieviel wovon?

stattdessen Räume definieren? wäre die sauberere Methode, würde aber bspw. Kontraste nur durch Zufall und nicht geplant entstehen lassen

auf der anderen Seite: klare und genaue Graduierung möglich

1-, 2-, 3-Schlag Takte etc. +/-

halbe Schläge können auf- oder abgerechnet werden

Notstand als Konzentrationszwang

Beethoven: Anschlüsse. How to get from here to there?

Just beam me up, Spock!

Greise aus der Schweiz

Yeah, nice.

Die Zeitmaschine ist die Struktur: Alles andere wird hineingefüllt.

Das Stück definiert sich selbst, je mehr je weiter es fortschreitet (rein technisch-faktisch). Mit jeder Veränderung wird mindestens ein Parameter festgelegt. Mit jeder Veränderung einen Parameter definieren.

Angstbestimmte, angstgesteuerte Programmpolitik: Wer nichts falsch machen will, macht alles falsch. Wenn es doch mal einen wirklich tollen Missgriff gäbe. Leider sind auch die Fehler völlig mut- und einfallslos.

In case you didn‘t realize: JEDES musikalische Fragment definiert ALLE musikalischen Parameter, auch die, an die Du noch gar nicht gedacht hast.

Plötzlich haben die Sachen wieder eine Dringlichkeit bekommen. Scheint wieder loszugehen. Ist doch super!

die meisten Menschen verschwinden

der Sinn

ferngesteuert, right?

ächz!

nur ich kenne sie

world on drugs

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Arbeitsnotiz

Teil der Schönheit von Pop ist natürlich auch der Eindruck von existenzieller Pracht: Das Nicht-Sparen, Nicht-Festhalten, Nicht-An-Morgen-Denken, das Gehen-Lassen, Verstreichen-Lassen, Aus-Dem-Vollen-Schöpfen, die Arroganz der unbesorgten Selbstzerstörung. Die totale Verschwendung von Lebenszeit. Selbstauslieferung. Und damit logischerweise die Realität. Egal wie berechnend Pop auch immer sein mag, das kann man ihm nicht nehmen. Könnte man übrigens fast 1:1 auf die USA übertragen. Und komisch, dass wir das gar nicht haben. Und auch nicht hinkriegen können.

Ist ja furchtbar. Kann man ja gar nicht hinkucken.

2 x 1200:
1200 pizz.
1200 arco

Herman van San : Klingt ein bisschen wie Nierentisch. Aber gut. Ziemlich merkwürdige Unisoni.

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Wahrhaftigkeit und Konsequenz

Ein Instrument ist kein Speichermedium.

Keine Interpretation.

Text und Pause

Zwei

Nichts

Jetzt wird es nie wieder aufhören (zu bluten).

Gerüst – Gerippe – Maßwerk

wie doof darf man eigentlich sein?

Kolik: In die Schwärze

Alles neu. Alles anders. Am Ende ist alles egal. Logisch.

Wie Zugriff auf Text? Welche Parameter?

Geschwindigkeit
Verständlichkeit
Stimmklang
Dauer

Zahl der Tonhöhen je Silbe/je Wort/je Zeile
Tonhöhenrichtung
Lautstärke
Lautstärkeveränderung
Text-Pause

Viel natürlich im Voraus festgelegt – es sei denn, man würde wirklich radikal eingreifen: Nicht mehr auf den Text hören, nicht mehr an die Bedeutung denken, nicht mehr kooperieren.

Das Streichquartett nicht gleich komplett aufgeben: Die Bedingungen sind nicht identisch, und eigentlich auch nur entfernt ähnlich. Aber im Denken auf Streichquartett Bezug nehmen.

Meine Schultern brennen.

Was ist denn das für ein Gefühl? Würde mich mal interessieren.

Musikalisches Grundproblem: Reihenfolge. Lustige Idee, einfach Fragmente nach vordefinierten Kriterien an einem bestehenden Prozess aufzuhängen (Moguillansky). Aber natürlich auch Problemvermeidung.

Bei Leuten, die in ihrer Haltung suggerieren, dass es keine Qualitätsunterschiede gibt, kann man davon ausgehen, dass sie entweder tatsächlich Qualitätsunterschiede nicht erkennen können, oder dass es in ihrem Interesse ist, Qualitätsunterschiede zu ignorieren. Spricht in jedem Fall nicht für ihre eigene Produktion.

Beschissen formuliert.

Spätestens ab dem 2. Stock schwebt man. Gut dass der Boden hält.

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ZWEI

Nur vom Auftrag, von den Rahmenbedingungen her denken: 16 Stimmen. Was passiert dann?

Ohne erkennbaren Grund an einer einzigen Stelle mp statt mf. Keine systematische Entscheidung, sondern nach der Natur gemalt. Fühlt sich richtig an. Wenn man es ändert, systematisiert, angleicht, fühlt es sich falsch an. Wie unsystematische Entscheidungen in System überführen?

Die schlechte Nachricht: Ich glaube es geht nicht. Man kann nicht individuelle Entscheidungen durch systematische Entscheidungen ersetzen. Jedenfalls nicht, wenn man gleichwertige Resultate haben will.

Die Optionen, wie man mit diesem Befund umgehen kann, sind ziemlich klar, denke ich: man kann ihn ignorieren, man kann versuchen, so gut, wie es geht, damit umzugehen, d.h. kaschieren, emulieren, nachbessern, oder man kann daraus ein eigenes Konzept machen, die Schwächen des Systems betonen, Fehler nicht verstecken, sondern herausstellen, deutlich machen, dass eine solche Musik nur durch einen systematischen Ansatz, der das Detail vernachlässigt, zustande kommen kann. Klar machen, dass es in gewisser Weise mehr auf die Operation, als auf das Ergebnis ankommt. Den Qualitätdruck herausnehmen. Und damit natürlich auch die Spießigkeit des gut gemachten vermeiden. Bernhard Lang wäre wahrscheinlich ein Kandidat für einen solchen Ansatz.

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Filed under Methode, Neue Musik

anna laura braghetti

O.k., also erstens, warum keine Wiederholungen von Rhythmuswerten, und zweitens, wie tabellentechnisch über Anzahl der Schläge = Anzahl der Werte hinausgehen.

Arbeit
Verfahren
Verfahrenstechnik
Technik

Zitat
Exzerpte
Stichproben

Material

Verfremden durch Formalisieren – Refamiliarisieren durch Aufführung

Die Idee des Kalkulierens ist das Vermeiden von Begründung – wenn der Kalkulus dies oder das sagt, brauchst du nicht mehr darüber nachdenken, warum du es machst. Kalkulus als Letztbegründung, sich selbst begründend, die keine weiteren Fragen erlaubt.

white trash, rich and poor

Bild/Abbildung vs. Konstruktion

dumm gleich böse – ist das so? I‘m not so sure.

Verformung gegen Verformung: glatte Oberfläche, der man ihre Konstruktion nicht mehr ansieht. Was wäre dann der Sinn der Konstruktion? Vielleicht, die glatte Oberfläche erst denkbar zu machen.

Wichtig ist dabei, auch im negativen Sinn, dass die Konstruktion RESTLOS verschwindet, dass nichts übrig bleibt, das auf sie verweisen könnte.

Einfachheit

Stockhausen: Perfektion aus Verzweiflung. Alles perfekt vorbereitet, doch es kommt niemand. Aber es hätte, wenn –

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Würg.

Text: It‘s all about Geschwindigkeit.

Am besten funktionieren die Dinge, wenn es in gewisser Weise egal ist, was dabei herauskommt, wenn man sich sicher sein kann, dass einerseits das Ergebnis in seiner Bestimmtheit eine Funktion haben wird, dass aber andererseits jedes Ergebnis auf seine Weise gut sein wird, wenn es richtig ausgeführt ist. Klingt, als ob man keine Fehler machen könnte (Serialismus/Feldman). Das meine ich aber nicht. Ich meine eher, dass man eine Position finden muss, in der man nicht an jeder einzelnen Note unendlich lange herumpopeln muss, weil sie so schrecklich wichtig ist. Das nimmt dem Stück seine Leichtigkeit. Vielleicht so etwas wie: langsam denken, schnell arbeiten. Oder, realistischer: Meinetwegen tausend Versionen wegwerfen, die letzte muss dann aber auf irgendeiner Ebene mühelos gelingen. Es muss dann einfach stimmen, sonst geht es nicht. Wir wissen ja, was dabei herauskommt: all die angestrengten Grusellangeweiler. In der Literatur übrigens noch größeres Problem, glaube ich. Da ist ja ALLES so irrsinnig wichtig.

Lange nachdenken, schnell entscheiden. Next problem: Wer entscheidet die Entscheidung?

Ungefähr da muss es sein. Am Ende ist es natürlich genau irgendwo. Aber nur ungefähr da.

Ökonomie vs. Verschwendung: einen riesen Chor für ein paar Töne, z.B. ein bisschen Brummen, auftreten zu lassen, ist natürlich eigentlich eine super Idee, viel besser als das krampfhafte Festhalten am symmetrischen Einsatz des Materials. Stichwort gerechte Verteilung. Funktioniert allerdings besser, wenn man es nicht von vornherein einplant, sondern wenn das Stück es verlangt (Berlioz). Dann Zeichen von Aussagekraft, Mut zur Entscheidung. Ansonsten ein bisschen zu affektiert-größenwahnsinnig, auch zu sehr die Wirkung berechnend. Im Übrigen: Es kann natürlich auch nerven, wenn z.B. das Blech für einen einzigen Einsatz den ganzen Abend auf der Bühne sitzt (Furrer). Aus der Struktur der Arbeit erklärbar, musikdramaturgisch nachvollziehbar und effektiv, wirkt aber trotzdem wie eine Fehlkonzeption. Und, tatsächlich, wie unberechtigte, weil nicht durchdachte, nur den arbeitstechnischen Zwängen geschuldete Verschwendung.

Ich habe beschlossen, nicht mehr zu schlafen. Es lohnt sich nicht. Man wacht ja eh wieder auf.

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Filed under Klassik, Literatur, Methode, Neue Musik

MUST NOT SLEEP

Versprechen auskomponieren – warum nicht?

Le Rossignol: extrem antispektakuläres Ende

…explosante-fixe…: Wenn man ganz ehrlich ist, zum Sterben langweilig, und in dieser Hinsicht dann auch wieder interessant. Ich meine, was ist DAS denn für eine Dramaturgie: nudel nudel nudel – Licht aus: Einschub I – nudel nudel nudel – Licht aus: Einschub II – nudel nudel nudel – Schluss. Was DENKT er sich dabei, was, bei allem allgemeinen Respekt, den man vielleicht immer mit denken muss, WILL er, was HÖRT er selbst in dieser Partitur? Wenn gähnende Leere gemeint wäre, wäre es allerdings ziemlich toll. No kidding.

Analog Digital

Sidsel Endresen

Karmakar

Something happens in your life and you just get … sort of lost.

Einheiten, nicht Dauern

Einheiten ZU Dauern

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Filed under Film, Klassik, Neue Musik, Pop

Und dann

Linke über Furrer: Sprache ist nicht da, um etwas zu sagen, allenfalls um etwas auszudrücken. Das stimmt, und ich halte es ja für ausgemacht, dass das eine Schwäche ist. Man könnte aber natürlich auch sagen, dass es eine Stärke ist, endgültig mit den unzähligen zwecklosen Versuchen, Sprache trotz aller Schwierigkeiten verständlich zu machen, gebrochen zu haben. Nur: Es ändert sich ja gar nicht so viel im Vergleich zu diesen gescheiterten Versuchen, man versteht weiterhin nichts, der einzige Unterschied: man weiß jetzt, dass man nichts verstehen soll. Aus unverständlichen Worten wird Atmosphäre. Immerhin.

Sciarrinonochnichtmehr

Keine Zeit: Nur ausführen, wenn es keine Mühe ist.

Das Ausführen und Mühe geben hat leider immer etwas sehr Spießiges. Besonders bei Texten ein Problem. Man muss versuchen, so lange zu arbeiten, bis die Mühe wieder verschwindet. Oder warten, bis die Dinge von selbst kommen. Erfindungsmaschine. Externe Vorgaben, die einen Teil der Arbeit abnehmen und die Nachvollziehbarkeit der Mühe einschränken oder sogar restlos zerstören.

Das Schlimmste im Film, das, was am schwierigsten auszuhalten ist, ist die Idylle. Funktioniert perfekt. Das perfekte Signal, um anzuzeigen, dass gleich etwas Schlimmes passieren wird. Selbst, wenn es das dann gar nicht tut. Dann halt das nächste Mal. Bewusstes Spiel mit dem Zuschauer, beidseitig: der Zuschauer WEISS, dass mit ihm gespielt wird, kann aber nicht anders als mitzuspielen. Ist das die Angst vor dem eigenen, ereignislosen Leben? Welche Erfahrung kommt da durch? Dass man sich nie sicher fühlen kann/soll/darf? Jedenfalls wahnsinnig unangenehm, egal, wie genau man weiß, welches Spiel gespielt wird. Zeichen: es geht ihm schlecht, den Kindern geht es schlecht, also wird er etwas Schreckliches tun. Fester Baustein, millionenfach eingesetzt. Funktioniert trotzdem, oder gerade deswegen. Wie Vordersatz/Nachsatz.

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Filed under Film, Form, Neue Musik, Oper

extrem dumm

Wissen Handeln

abîme

Turner

globale Integration lokale Desintegration

vergebliches Abtasten

kontrastierende Ableitung: Sprung ins Andere

Takt Subjekt Charakter Hegel

algorithmisches Komponieren: diskrete Grundelemente notwendig

Allerdings: Jedes Element kann zu einem diskreten Element werden, wenn man es entsprechend definiert.

Hans T. oder die Kunst der Platitüde: Muss man dumm sein, um Professor zu werden, oder wird man dumm, wenn man Professor ist?

versprechen verbessern

Karmakar

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Filed under Film, Neue Musik, Theater

Alien

Haydn: schnelle Tonwiederholungen als Verzierung

Suche zu

Zweimal verkehrt rum

Opfer

zählen
berichten
beschreiben
sein

Schuhe

M.B.R.M.M.P.P.: Ziemlich gelungenes Bläsertrio, könnte man weiter dran arbeiten. Streichtrio dito. Aber nicht jetzt.

reden reden reden
denken
tun
träumen

Das Problem wird normalerweise einfach vermieden.

Gegenstandslosigkeit

einfach etwas tun

Regellosigkeit

Zwei isolierte Ereignisse, die unmittelbar aufeinander folgen, werden immer als Frage und Antwort, Eröffnung und Reaktion aufgefasst (Furrer, Sciarrino, Lachenmann).

Das Material kennen: Was willst Du hören?

unbegründete Entscheidungen

Kalkulus

Komisch, dass man nie erklären kann, was man macht. Oder kann man es doch? Wie komme ich wohin? Warum? Wie treffe ich meine Entscheidungen?

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GO AWAY!

Ehrgeiz: Kann man definitiv auch zuviel haben. Wenn jede Faser des Gesichts und des Körpers EHRGEIZ schreit, ist etwas schiefgegangen. Geht gar nicht. Tut weh anzuschauen.

Gesang auf 5-Linien-System, Sprechen auf 1-bis-3-Linien-System, quasi Schlagzeug, insgesamt Doppelsystem. Damit spielen. Leise/laut.

Die Idee, dass durch Notation der verschiedenen Parameter des Spiels in eigenen Systemen das Instrument selbst in seiner Identität aufgespalten wird, ist eigentlich Unsinn und nimmt das Notenbild zu wörtlich. Die Mühe des Spielers, Dinge, die normalerweise automatisch ineinander greifen, einzeln zu behandeln, ist offensichtlich. Das Ergebnis ist aber meistens enttäuschend, weil die Aktion im Klang wieder vereinheitlicht wird und kaum eine Spur von Aufspaltung bleibt. Höchstens die Entfremdung des Spielers zu seiner Arbeit ist spürbar – die durch Automatisierung erarbeitete Unmittelbarkeit des instrumentalen Spiels fällt weg, die Bewegungsabläufe müssen neu zusammengesetzt werden.

Hier geht es aber nicht um eine Auftrennung der internen Synchronisation der Ausführung, sondern um eine graphische Repräsentation dessen, was alle hören: dass zwei grundsätzlich verschiedene, klanglich entgegengesetzte Stimmtechniken einander abwechseln und den Text bis zu einem gewissen Grade auftrennen. Gleiche/ähnliche/verschiedene Dynamik kann den Effekt verstärken, aber nicht einebnen.

Dinge, die keine Konsequenz haben: auch schön. Dinge auf sich beruhen lassen. Nicht gleich etwas ändern, weil etwas mit etwas anderem zusammenfällt. Einfach miteinander zusammenstoßen lassen.

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Streichquartett 2010

Ist es befriedigender, Dinge einzuführen, oder sie nebeneinander zu stellen? Was ist schmerzhafter? In der aktuellen Situation würde ich sagen, sie miteinander zu verbinden.

Re: Eigenwerbung ist Schwachsinn, Polemik dito

Das einzige, was sinnvoll sein könnte, wäre Dinge genau zu beschreiben und sie damit zu zerstören – oder eben nicht. Was der genauen, interessenlosen Beschreibung standhält, hat gewonnen.

Eine feste Position, die im Voraus feststeht, ist der Gipfel des Schwachsinns, weil es sie nicht geben KANN. Dinge verändern sich ständig, eine feste Position kann nur auf INTERESSEN aufbauen, also Erkenntnis vernichten.

Auf der anderen Seite:

Moe
Moguillansky
Lachenmann
Sciarrino
Xenakis

Baby 1:1 transkribieren und Sänger mit vollem Ernst – nicht theatral! – vortragen lassen

Akzent durch Verdopplung (Joy Orbison) – Klangstärke und Klangtiefe

Untrust: laute Akorde mit gegenläufiger Dynamik, möglicherweise Instrumentengruppen gegeneinander ausspielen. Möglicherweise Akkordfolge als Eröffnungsgeste, z.B. aufsteigend/absteigend 1 2 3 4 5.

Alles aus sich heraus motivieren, nichts für etwas anderes tun.

Das so lange wie möglich herauszögern könnte die beste dramaturgische Strategie überhaupt sein. Könnte allerdings auch übereffektiv sein.

Streichquartett könnte auch einfach aus zwei Teilen bestehen: einer Pizzicato, gedämpft, leise, einer Arco, lärmig, sehr laut. Beide sehr lang.

Untrust: Differenztonakkorde wiederverwenden, daraus Material ableiten – muss aber nicht sein. Untrue vielleicht doch mit Oktaven anfangen lassen. Auf jeden Fall Dubstep-Aspekte verstärken.

Lange Zeitabschnitte dramaturgisch UND als reine Dauern verstehen.

Eigentumswohnung

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